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Posts mit dem Label "Minimalismus" werden angezeigt.

Verzicht und Kontemplation

„Wenn das Herz denken könnte, würde es stillstehen. Was bleibt jemandem, der wie ich lebendig ist und doch kein Leben zu haben versteht - ebenso wie den wenigen Menschen meiner Art - anders übrig als der Verzicht als Lebensweise und die Kontemplation als Schicksal?“ Fernando Pessoa, „Das Buch der Unruhe“

David Lynch von A-Z: Dumbland

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David Lynch kreierte nicht nur mit „The Angriest Dog In The World” einen genialen wöchentlichen Comic-Strip (der stets aus den selben Bildern bestand und nur eine Variation der Dialoge darstellte), sondern auch eine radikal-minimalistische Zeichentrickserie namens „Dumbland“, die lediglich acht kurze Episoden trug und zunächst auf seiner Website eingestellt wurde.  Mit kruden Animationen zeigt der Künstler hier Situationen aus dem Leben eines typischen weißen Amerikaners des Kleinbürgertums. Vielleicht wurde Lynch als Gesellschaftskritiker immer etwas unterschätzt, weil seine Bilder und Geschichten so suggestiv sind. Natürlich geht es auch hier seltsam, wenn nicht gar vulgär zu. Nachbarn haben Sex mit Enten, es wird eher geschrien als gesprochen, Blut spritzt aus den Köpfen der Figuren und Ameisen spielen eine furchterregende Nebenrolle.

David Lynch von A-Z: Bacon

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David Lynch begann seine künstlerische Karriere als Maler, studierte zunächst an der Pennsylvania Academy of Fine Arts, wo er vor allem düstere Gemälde entwickelte (einige davon wurden in der Wanderausstellung „Dark Splendor“, die im Max-Ernst-Museum in Brühl gezeigt wurde, ausgestellt). Seine Einflüsse hat der Universalkünstler dabei – in Interviews ansonsten eher verschwiegen, was Ursprünge und Bedeutungsebenen seiner Werke angeht – überraschend deutlich offengelegt.   Neben den Filmen von Bergman, Kubrick, Wilder und Fellini sind als künstlerische Vorbilder Edward Hopper, René Magritte, Henri Rousseau und vor allem Francis Bacon bedeutsam, der mit seiner Darstellung von gequälten und in den erschreckendsten Positionen verrenkten Körpern mit ähnlicher Präzision wie Lynch, vielleicht aber noch eine Spur abstrakter, das Eindringen des Unheimlichen ins für uns alle alltägliche Leben zeigte. Six Men Getting Sick Von Bacon hat Lynch den ambivalenten Zugang zur Reflexion von Gewal...

Warum einer Frau beim Kartoffelschälen zuschauen?

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„Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ von der großen belgischen Regisseurin Chantal Akerman ist ein Film wie kein anderer: Ein Grundlagenwerk des kinematographischen Feminismus', Prototyp minimalistischen Leinwanderzählens und nicht zuletzt ein hochprivates Dokument sensibler Künstlerinnen vor und hinter der Kamera. Auch mehr als 40 Jahre nach der Premiere ein ergreifendes Erlebnis. Es ist eigentlich recht selten geworden, dass man einen Kinofilm nicht mehr so einfach zu sehen bekommt. Ohne YouTube, Netflix und all die illegalen Alternativen, natürlich aber auch ohne DVD und Blu-ray, war es früher ungleich schwerer als heute, cineastische Entdeckungen zu machen oder gar verbotene oder gemiedene Schätze zu entdecken. Mag es verständlich sein, dass man schon einige Anstrengungen unternehmen muss, um einen Film wie „Die 120 Tage von Sodom“ auszugraben (Pasolinis Hasserklärung bekommt man immerhin des Öfteren mit pädagogisch wertvoller Einführung im Kino zu sehen,...

Absichtslos

„Stille ist im Wesentlichen das Aufgeben jeglicher Absicht.“ John Cage

Dieses feine, unaufhörliche Geräusch

Merk auf dieses feine, unaufhörliche Geräusch, es ist die Stille. Horch auf das, was man hört, wenn man nichts mehr vernimmt. Paul Valéry

Erlogen

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Einfach

Einfachsein in aller Demut -  wie alles Heilige, wie alle Kunst.

Vom Leben eines Esels (8)

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Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson  Michael Haneke: „Man spürt in Balthazar wie in allen Filmen Bressons eine fast körperliche Aversion ihres Autors gegen jegliche Form der Lüge, insbesondere gegen jede Form des ästhetischen Betrugs. Diese ingrimmige Abneigung scheint die Antriebskraft seiner gesamten Arbeit zu sein, und sie führt zu einer Reinheit der erzählerischen Mittel, die in der Filmgeschichte ihresgleichen sucht.“ (Schrecken und Utopie der Form. Bressons Au Hazard Balthazar . In: Michael Haneke. Gespräche mit Thomas Assheuer. Berlin 2008, S. 144.)

Vom Leben eines Esels (7)

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Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson Diese ungeheure Kühle, mit der sie miteinander sprechen. Die Unbarmherzigkeit, mit der sie miteinander umgehen. Marie liebt Gerard. Gerard begehrt Marie, und jagt sie wie ein Wolf seine Beute. Sie weint – um den Verlust ihrer Unschuld (und vor Schmerzen über den sadistischen Akt?) und gibt sich ihm hin. Jacques liebt seine Marie seit Kindertagen. Auf einer Parkbank hat er als Knabe ihre Namen mit Kreide verewigt. Doch als er ihr, erwachsen geworden, seine Liebe gesteht, antwortet sie düster: „Du begreifst die Realität nicht.“ Auch kaum ein Lachen, eigentlich gar keins, in diesem Film. Vielleicht lacht ja der Esel Balthazar in sich hinein, wer weiß das schon. Emotionen werden provoziert, in dem sie zunächst bekämpft werden. Nicht Menschen, sondern Marionetten sehen wir, deren leere Blicke wir verstehen und deuten lernen müssen. Der Zuschauer gestaltet die Figuren, in dem er für sie und deshalb mit ihnen fühlt....

Vom Leben eines Esels (6)

Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson Temps Mort . Die unerträgliche Zwangsläufigkeit der ablaufenden Zeit, die ein „Leben“ zu einem Schicksal macht. Mit Balthazar beobachten wir diese Zwangsläufigkeit.

Vom Leben eines Esels (5)

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Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson Die reine, totale Verschränkung von Inhalt und Form führt in der Kunst erst zum Ausdruck, also zu einer Sprache, die dem Stoff gerecht wird, der für ein Werk bearbeitet wird, als auch dem Medium, mit dem gearbeitet wird. „Au Hasard Balthazar“ ist ein beeindruckendes Beispiel für die kaum ausgereizte Möglichkeit mittels bewegter Bilder eine Form zu finden, die einzigartig und so nur auf der Leinwand zu erleben ist. Filme wie dieser zwingen erst dazu, sich über die Ausdruckskraft des Kinos Gedanken zu machen. Aber nicht deshalb, weil in ihm möglichst viele Ausdrucksmöglichkeiten versammelt sind, sondern im Geiste einer radikalen Reduktion besonders wenige. In der Beschränkung entfaltet sich hier erst die Freiheit der filmischen Form.

Vom Leben eines Esels (4)

Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson    Warum ein Tier? Warum ein Esel? Ein Modell, keine Identifikation, kein erzwungenes (manipuliertes?) Mitgefühl. Wir müssen am Leben des Esels teilnehmen, nicht der Esel nimmt an unserem – von aufmerksamkeitheischender und mitleiderregender Kunst vollgestopften – Leben teil. Dieser Esel kann uns nicht belügen. Er kann nicht schauspielern, er kann nicht darstellen. Er ist – Esel.

Vom Leben eines Esels (3)

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Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson Kinematograph statt Kino. Modelle statt Schauspieler. Die ejakulative Kraft des Auges. Natürliche Stimme. Stimme und Gesicht. Kontinuierlich glauben. Unvorhersehbare Empfindungen. Allmacht der Rhythmen. Die collocazione der Bilder und Töne.   Bresson über seine Filmkunst.   Balthazar wird angeschossen und stirbt auf einer Wiese im Angesicht einer Herde Schafe.

Vom Lebens eines Esels (2)

Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson  Da ist diese eine Szene: Der Esel Balthazar trägt Lasten über die Straße, da taucht Gerard, ein Kleinkrimineller, mit einigen Raufbolden auf. Sie sind auf Fahrrädern unterwegs und verspotten den Esel als Relikt einer vergangenen Zeit. Plötzlich fährt ein Auto vorbei, die Kamera folgt langsam dessen Weg und beobachtet, wie die Blicke der Jugendlichen dem motorisierten Gefährt staunend folgen.

Vom Leben eines Esels (1)

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Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson Es gibt Lieblingsfilme, die muss man nicht erklären. Nennt man sie spontan oder aufgefordert, dann erntet man ein wissendes Nicken, meistens gefolgt von einer weiteren Liebeserklärung an den genannten Film. Es gibt aber auch Lieblingsfilme, für die man kämpfen muss, weil sie (leider) kaum ein Mensch kennt. Au Hasard Balthazar von Robert Bresson ist einer dieser Filme, um dessen Bekanntheitssteigerung gerungen werden muss. Au Hasard Balthazar handelt vom Leben und Sterben eines Esels. Es hätte, so suggeriert der Titel, auch ein anderer Esel, ein anderes Tier oder sonst wer sein können. Wir sehen den (jungen) Esel, wie er liebevoll mit zwei kleinen Kindern namens Marie und Jacques herumtobt. Schnell wird klar, dass Balthazar zwar im Zentrum der Geschichte steht, die Kamera aber präzise das Leben der Menschen umkreist, die mit dem Esel in Kontakt treten – ihn streicheln, ihn quälen, ihn arbeiten lassen. Er wechselt mehrmals den...

Serienjunkies (3)

Über sogenannte Qualitätsserien Stehen nicht auch die vielen weltweit verstreuten Fernsehsender der ganzheitlichen künstlerischen Vision der neuen Qualitätsserien im Weg, wenn sie völlig ungeniert und ihrem (Einschaltquoten-) Erfolg gemäß ganze Serienstaffeln auseinanderreißen und wahllos das Programm aus kaum mehr zueinander in Beziehung zu setzenden Episoden bestücken, wie das zum Beispiel in Deutschland mit beliebten Stoffen wie Dr. House , CSI oder Sitcoms wie Two And A Half Men und Big Bang Theory geschieht? Ist es nicht auch schädlich, wenn das Fernsehen auf das vom Zuschauer angenommene Rezeptionsverhalten reagiert und ganze Serienstaffeln – wie bei Game Of Thrones oder The Walking Dead – an einem Wochenende oder gar in einer Nacht versendet? (Wie muss man sich diese Endlosnächte vorstellen, wenn bei unendlicher Kaffeezufuhr heruntergeschaut wird, was auch wochenlang in Ruhe und mit voller Konzentration gesehen werden kann? Man stelle sich nur vor, drei Filme von Goda...

Der musikfreie Tag

Alles still. Kein Radio. Keine Instrumente. Keine Pfiffe. Kein Summen. Kein Fingerschnippen. Keine Musik im Ohr! Für einen Tag soll alles schweigen . Damit wir uns besinnen auf die Kraft und die Magie der Musik. Denn diese scheint uns immer mehr verloren zu gehen. Wir vertreiben sie mit dem maßlosen Einsatz von Musik in jeder Lebens- und Gemütslage. Kein Medium, das Musik einsetzen kann, verzichtet mehr darauf, sie schamlos zu missbrauchen. Gefühlsmanagement nennt man so etwas: Sollten die Bilder nicht passen – die Musik macht sie passend. Wer sich traurig fühlt, hört traurige Musik. Oder er hört fröhliche Musik, damit er oder sie alsbald wieder fröhlich wird. Das ist eigentlich nicht problematisch. Das Problem aber beginnt dort, wo man sich daran gewöhnt, die Musik einzusetzen, als wäre sie kunst-, macht- und damit wertlos. Gedenktage gibt es für alles und jeden.  Es gibt den Tag des deutschen Bieres, den Tag des Friedhofs, den Tag des Baumes, den Tag des Butterbrotes – auch ...