Posts

Posts mit dem Label "Musik" werden angezeigt.

Oh, Baby, Baby

Bild
 

Patti Smith und „Horses“

Bild
Es ist nicht verbrieft, ob sich Patti Smith für ihr Debütalbum die Nächte über die Reihenfolge der Songs um die Ohren schlug. John Cale hatte „Horses“ ja bewusst stümperhaft produziert, um einen Klang zu bekommen, der die rohe Energie dieser jungen, ungestümen Künstlerin und ihrer fantastischen Band konservierte.  Aber was für ein Glücksfall ist es, dass ausgerechnet „Gloria: In Excelsis Deo“ in den Kosmos dieser demütigen Dichterin einführt, die durch magische Zufallsbegegnungen in einem New York zur Musik gelangte, dessen Ungeheuerlichkeit sie just genau zu der Zeit beschwor, als es langsam zu zerfallen begann.  „Jesus died for somebody’s sins but not mine“, sprechsingt Smith, und wie könnte eine Platte mit einem stärkeren Leitspruch beginnen?  Alles ist in dieser zwanglosen Van-Morrison-Neubearbeitung schon da: das Wilde, das Lebensbejahende, die lyrische Hingabe, die Verneigung vor den literarischen und musikalischen Helden. Smith bereitete die Welt auf das ...

Yes, I'm Your Angel

Bild
John Lennon und Yoko Ono hatten einander als Paar gegenseitig von den Schatten der Vergangenheit befreit (wozu für Lennon auch die Beatles gehörten). Sie lachten gemeinsam, lasen gemeinsam, aßen gemeinsam und liebten sich vor den Augen der Welt. Allem Anschein nach hatten sie auch eine sexuell ausgesprochen erfüllende Beziehung. Warum traf diese Liebe auf so viel Unverständnis, gar Hass bei den Menschen, die John Lennon doch einst ins Herz geschlossen hatten? Viele akzeptierten und verehrten ihn weiter als Musiker, doch den Ehemann und Liebhaber John Lennon verachteten sie. Oder seine Frau. Oder das eigenartige, magische Band zwischen den beiden. Den Menschen war die infantile Vision der Beatles wichtiger als die reife Liebe eines Künstlerpaars.

You've Got A Friend

Bild
When you're down and troubled  And you need a helping hand  And nothing, nothing is going right  Close your eyes and think of me  And soon I will be there  To brighten up even your darkest night  You just call out my name  And you know wherever I am  I'll come running, oh yeah baby, to see you again  Winter, spring, summer or fall  All you've got to do is call  And I'll be there, ye, ye, ye  You've got a friend  If the sky above you  Should turn dark and full of clouds  And that old north wind should begin to blow  Keep you head together  And call my name out loud now  Soon you'll hear me knocking at you door  You just call out my name  And you know wherever I am  I'll come running, oh yes I will, to see you again  Winter, spring, summer or fall, ye  All you have to do is call  And I'll be there, ye, ye, yeah  Ain't it good to know that you've got a friend  ...

Gemütsbewegung

Bild
D – A – Bm – F#m – G – D – G – A

Der melancholische (Alb-)Träumer

Bild
Für einen Moment hatte es so ausgesehen, als wären R.E.M. für Michael Stipe nur eine biographische Randnotiz gewesen. Ein unerwartet erfolgreiches Projekt, das zu einem für alle Beteiligten friedvollen Ende gebracht wurde . Doch nun sollte die eigentliche künstlerische Karriere folgen. Kein Interview, in dem der Sänger nicht über die Vorzüge des Lebens danach philosophierte.  Natürlich verzog sich Stipe erst einmal aus der Öffentlichkeit. Er legte sich einen Bart zu und einen Piercing, wie Eremiten das manchmal machen. Dann flog er zwischen seinen Wahlheimaten, darunter auch Berlin, hin und her, zeichnete, malte und fotografierte. Inzwischen werden seine Bilder, die ja auch früh zum Teil des visuellen Universums seiner Band geworden sind (das schroffe Wüsten-Cover von „New Adventures In Hi-Fi“ fotografierte Stipe aus dem Tour-Bus), ausgestellt. Mit „Generation X“-Autor Douglas Coupland entwickelte er einen ungewöhnlichen Foto-Band, der den Einfluss des Digitalen auf das Alltagsleb...

Abgehört

Bild
 

Happy/Sad

Bild
I spoke to a man  Down at the tracks  And I ask him  How he don't go mad  He said, "look here, junior, don't you be so happy  And for heaven's sake, don't you be so sad"

Always On My Mind

Bild
Frage nie einen DJ auf Hochzeiten, warum er einen bestimmten Song nicht spielt. Du wirst immer die Antwort bekommen, dass er genau weiß, was er da tut. Und das stimmt auch. Wer einen Playlist-Manager bei solchen Veranstaltungen beobachtet, erkennt, dass sein Wirken im Wesentlichen darin besteht, zu wissen, in welche emotionale Richtung sich die Feiernden gerade bewegen. Wer diese Leistung verkennt, beobachte einmal, was passiert, wenn man im falschen Moment „Dance Me To The End of Love“ spielt. Ein jegliches hat seine Zeit, auch auf Hochzeiten.  Gewünscht hatte ich mir eigentlich einen bestimmten Song der Pet Shop Boys, aber ich bekam ihn nicht. Der Einsatz anderer Songs verfehlte, soweit ich das beurteilen kann, seine Wirkung zwar nicht. Aber ich war dennoch traurig. Ein schöner Moment wird durch die Musik der Pet Shop Boys stets noch etwas schöner.  Seit vielen Jahren begleiten mich Neil Tennant und Chris Lowe durchs Leben wie gute Freunde, die stets da sind. Nicht immer hab...

Brandschutz

Wenn ich eine Band gründen würde, dann wäre ihr Name In Case Of Fire. 

The Never Ending Happening

Bild
The never ending happening  Of what's to be and what has been  Just to be a part of it  Is astonishing to me  The never ending happening  Of waves crashing against the cliffs  The falling seed the wind carries  The never ending happening  Souls arriving constantly  From the shores of eternity  Birds and bees and butterflies  Parade before my eyes  The never ending happening  Of the four winds changing direction  Nightfall stars sun rise again  Birdsong before the day begins  For some it's like tight-rope walkin'  Blind-folded and shaking  On either side fear and pain  For some it's like tight-rope walking  The never ending happening  Of war evermore and sore famine  Yearning for the day to be  When God will roll his stone away  The never ending happening  Of what 's to be and what has been  Just to be a part of it  Is astonishing to me Mehr als 40 Jahre...

Different Class

Blur oder Oasis ? Pulp!

Songs für die oft Unglücklichen

Bild
Als Michel Houellebecq 2022 seinen neuen Roman „Vernichten“ veröffentlichte, machte das Gerücht die Runde, es könnte bereits sein letzter sein. Das deutete zumindest die Danksagung aus dem Buch an.  Darin hieß es: „Ich bin glücklicherweise gerade zu einer positiven Erkenntnis gelangt (…). Für mich ist es Zeit aufzuhören.“ Passend dazu erweitert „Vernichten“ trotz seines düsteren Titels den enormen moralphilosophischen Korpus des französischen Autors um durchaus friedfertige Gedanken über die Liebe.  Ist Michel Houellebecq etwa altersmilde geworden? Mitnichten, wie ein Großteil des gesellschaftskritischen Fundaments des Romans nachweist, das sich mühelos in das skeptische Grundrauschen des Franzosen einordnen lässt. Aber Züge von Naivität, von einer humanistisch-romantischen Weltsicht finden sich eben auch bei Houellebecq. Und das führt sehr direkt zu seiner Verehrung für Neil Young.  Michel Houellebecq und Neil Young?  Der Autor hat für das gewaltige „Dictionnaire du...

Like A Rolling Stone

Bild
Irgendwo zwischen Wilhelm Tell, „Uhrwerk Orange“, John Williams, den „Simpsons“ und „Akte X“ glomm der erste Funke. Meine Eltern spielten und hörten klassische Musik. Rossinis Ouvertüre in seiner Oper zum Schiller-Schauspiel wurde mir zum Herzensöffner für die Musik, weil es so rasant und entschlossen war. Es hatte Action, es erinnerte mich an vieles aus Zeichentrickserien, vielleicht wurde es in einem Looney-Tunes-Cartoon eingesetzt.  Derart begeistert, bekam ich von meinen Eltern den Soundtrack von „Uhrwerk Orange“ zu hören, weil dort nicht nur die „Diebische Elster“ zu hören ist, sondern auch die von Wendy (damals noch Walter) Carlos verfremdete Synthesizer-Version der Wilhelm-Tell-Ouvertüre. Wer glaubt schon, dass man auch für Töne zu jung sein könnte? Von Rossini war es wohl nur ein kleiner Schritt zu John Williams und einer Kompilation mit Stücken, die er mit dem Boston Pops Orchestra aufgeführt hatte. Meine erste CD. Film und Musik, zwei Leidenschaften, die sich ganz und gar...

(I Can't Help) Falling In Love With You

Bild
Die Musikgeschichte schäumt über vor Love Songs mit unvergesslichen Zeilen. Auch nur ein paar zu nennen wäre ungerecht gegenüber all jenen, die man vergisst oder aus trotzigen Gründen ignoriert. Doch die schönsten Zeilen, die jemals in einem Liebeslied zu hören waren, stammen aus dem von George David Weiss, Luigi Creatore und Hugo Peretti geschrieben und von Elvis Presley intonierten „(I Can't Help) Falling In Love With You“: „Take my hand, take my whole life too For I can't help falling in love with you.“ Die sich ineinander schließenden Hände, die zarte Begegnung, die keinesfalls ohne Folgen bleibt. Plaisir d’amour (wie die französische Melodievorlage von Jean-Paul-Égide Martini zu dem Song heißt), reine Freude an der Liebe - nimm mich so, wie ich bin. Mit nur einer Berührung schlagen zwei Herzen in einem Takt und zugleich wird sichtbar: Liebe bedeutet Verantwortung. Der Liebende bekommt die Lebensgeschichte eines anderen Menschen überreicht, auf dass er s...

Writing To Reach You

Bild
Hör' dir alle Alben von Travis an, sagtest du zu mir. Sie hätten dein Leben verändert, dir einen neuen Soundtrack für den oft trübseligen Alltag geschenkt. Ich weiß nicht mehr, ob du es mir wirklich so erzähltest, aber ich erinnere mich so daran: Travis seien eine Band für die kleinen Leute, die still träumen und anderen nichts zu Leide tun. Musik für jene, die ein Päckchen durchs Leben zu tragen haben, auch wenn sie nicht einmal wissen, von wem sie es aufgetragen bekamen und warum sie es mit sich führen müssen. Du vertrautest mir auch an, dass du vor den Menschen mit hohen Ambitionen immer schon zurückgeschreckt bist, auch wenn dir nicht klar war, warum. Als ich „The Man Who“, „The Invisible Band“ und „12 Memories“ verfallen war (alles, was später kam, das gebe ich gerne zu, berührte mich nicht mehr sehr, auch das hemdsärmelige Debüt, „Good Feeling“, ist nichts für mich), vertraute ich dir an, wie sehr mich diese Songs bewegten, auch aus den Gründen, die du mir nanntest. ...

A Man Called E

Bild
Viele Musikerinnen und Musiker singen über Seelenqualen und Schicksalsschläge, Mark Oliver Everett hat den Scheiß erlebt.  Er verlor innerhalb kürzester Zeit seine komplette Familie. Seinen Vater, ein Physiker, der zu seiner Zeit verlacht wurde, aber die heute anerkannte Viele-Welten-Idee miterdachte, fand er mit 19 Jahren tot im Bett. Sein alter Herr hatte schwere Depressionen. Nancy, die Mutter des Sängers, war familiär ebenfalls mit psychischen Erkrankungen vorbelastet; ihre Mutter Katherine schrieb zwischen ihren Krankenhausaufenthalten Gedichte. Nancy neigte zu hysterischen Heulanfällen und kindlichem Verhalten und überließ die Kinder sich selbst. Sie verstarb an Lungenkrebs. Everetts sechs Jahre ältere Schwester Liz war lange Zeit seine Bastion gegen all den Wahnsinn. Er liebte sie abgöttisch, wie man in der wundervollen Autobiographie „Glückstage in der Hölle“ (treffender im Original: „Things The Grandchildren Should Know“) nachlesen kann. Aber sie erbte auch den Hang zur G...

Trübsal

Bild

Stuart A. Staples sagt: „Thank You!“

Bild
Die Tindersticks sind eine Band für gewisse Stunden. Jene der mal wonnigen und mal verdüsterten Trübsal; von knarzenden Gitarren, flehenden Violinen, gestriegeltem Saxophon, gestreicheltem Klavier, markanten Orgeln und vielen anderen Instrumenten zu einem orchestralen Klang fusioniert.  Manche nennen das Chamber- oder Barock-Pop, andere sehen darin einen Indie-Rock, der sich zur Entstehungszeit der britischen Formation schlicht eigenwillig gegen den schmutzigen Schrummelsound oder den damit konkurrierenden kumpeligen Schunkelklang zu Wehr setzte, der Anfang und Mitte der 90er auf der Insel Erfolge feierte.  Anders als andere Protagonisten dieser Zeit sind die Tindersticks mit ihrer mal sehr dramatischen, mal stoischen Musik geblieben. Sie sind mit ihrer vertonten Schwerblütigkeit, die, als die großen Dramen erschöpft waren auch Lounge-Entspanntheit annahm, aber ihr ganzes Selbstbewusstsein irgendwann aus cineastischer und theatralischer Filigranität bezog, schlicht ihr eigene...

Klang

„Das lauteste Geräusch der Welt ist die Stille.“ Thelonious Monk