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Es werden Posts vom Januar, 2024 angezeigt.

Zerbrochen

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Moral und Ästhetik

Ein Problem unserer Zeit: Ästhetik wird nach moralischen Maßstäben bewertet und Moral nach ästhetischen Kriterien. 

Kakerlaken glotzen

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Eine ganze Nation wärmt sich am Fernsehlagerfeuer, wenn RTL alljährlich „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!“ sendet. Dass es sich um einen harmlosen Spaß ohne Folgen handelt, ist allerdings ein gefährlicher Irrtum. Warum nur berichten so viele geradezu ekstatisch vom RTL-Dschungelcamp - gibt es nicht wichtigere Themen, die dieses Land bewegen? Sicher gibt es die. Aber der Erfolg dieses eigenartigen Sendeformats ist, dass es trotz Mediantamtams massiv unterschätzt wird. Eigentlich sollte man annehmen, dass es sich hier um einen weiteren Tiefpunkt in der nach unten offenen Skala des Selbstentwürdigungstheaters handelt, das die Privaten und besonders RTL seit Jahren kultivieren. Aber das wäre zu einfach. Längst wärmt sich eine ganze Nation an diesem Fernsehlagerfeuer. In der Spitze sehen bis zu 9 Millionen Menschen dem bunten Treiben im australischen Regenwald zu. Oder ist es doch nur ein gigantischer Container in Köln/Hürth? Jedenfalls bescheren die Zuschauer RTL vor a

A Man Called E

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Viele Musikerinnen und Musiker singen über Seelenqualen und Schicksalsschläge, Mark Oliver Everett hat den Scheiß erlebt.  Er verlor innerhalb kürzester Zeit seine komplette Familie. Seinen Vater, ein Physiker, der zu seiner Zeit verlacht wurde, aber die heute anerkannte Viele-Welten-Idee miterdachte, fand er mit 19 Jahren tot im Bett. Sein alter Herr hatte schwere Depressionen. Nancy, die Mutter des Sängers, war familiär ebenfalls mit psychischen Erkrankungen vorbelastet; ihre Mutter Katherine schrieb zwischen ihren Krankenhausaufenthalten Gedichte. Nancy neigte zu hysterischen Heulanfällen und kindlichem Verhalten und überließ die Kinder sich selbst. Sie verstarb an Lungenkrebs. Everetts sechs Jahre ältere Schwester Liz war lange Zeit seine Bastion gegen all den Wahnsinn. Er liebte sie abgöttisch, wie man in der wundervollen Autobiographie „Glückstage in der Hölle“ (treffender im Original: „Things The Grandchildren Should Know“) nachlesen kann. Aber sie erbte auch den Hang zur Geist

Rabengrau

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Weißabgleich

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Warum haben Wintersportler eigentlich immer so blendend weiße Zähne? Vielleicht sind sie das natürlich blühende Äquivalent zu dem Element, über das sie für ihre Zwecke magisch hinweg gleiten. Möglicherweise spiegeln sie auch das sanguinische Temperament dieser fröhlichen Schneebezwinger. Denn wie lässt es sich vorstellen, dass man traurig Abhänge hinunter schwebt? Eventuell ist es für diese Kältekämpfer aber auch die letzte erogene Zone, die sie in die Kameras halten können, sind sie doch ansonsten, es geht ja gar nicht anders, fast vollständig in wärmenden Stoff eingewickelt.

Narrationshilfe

„Das Narrative heilt durch Struktur, nicht durch direkte Lebenshilfe.“  Richard Sennett

In Honig getaucht

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Mein lieber Sohn,  ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich einst in der gleichen Situation war wie du jetzt. Diese freudige und zugleich spannungsreiche Erwartung. Das Bangen, ob alles genau so abläuft, wie es zuvor besprochen und erhofft wurde. Es kommt eh alles anders, als man denkt. Das ist jetzt aber nicht wirklich ein Ratschlag, sondern eine fürchterliche Binsenweisheit, höre ich dich sagen. Natürlich! Aber genau das bedeutet es ja, Mutter und Vater zu werden: sich auf etwas einzulassen, das nicht planbar ist. Du kamst auf den letzten Drücker auf die Welt, mein Sohn. Als hättest du gar keine Lust gehabt, aus deinem wonnig-warmen Nest zu schlüpfen. Warum auch? Im eisigkalten Winter fällt es doch viel schwerer, zum ersten Mal die Augen zu öffnen und nach Luft zu schnappen. Du hast es dann doch gewagt, auch wenn du deiner Mutter und mir erst einmal viel Angst eingejagt hast. Darauf musst du dich nun auch einstellen: Die Furcht wird zu deiner alltäglichen

Wer lacht, hat keine Angst!