Wir amüsieren uns zu Tode
Kinder lachen 300 Mal am Tag, sagt man. Ganz einfach nachzuweisen ist das nicht, die Studienlage ist brüchig. Die Großen, so heißt es, giggeln tagsüber gerade einmal 30 Mal (was bei 6-8 Stunden Schlaf nicht einmal ein Lacher in 60 Minuten ist). Vielleicht tun sie es inzwischen sehr viel häufiger, nur blicken sie dabei nicht in andere Augen, sondern auf einen Bildschirm. Da werden Memes und Videos gefeiert, doch es ist meist keine spontane und unbefangene Erheiterung wie bei den Kleinen im Spielmodus. Stattdessen entlädt sich höchstens ein belustigtes Mundwinkelzittern. Kein Wunder: Es ist kein Feixen mit anderen (interpersonales Lachen), es gebärdet sich als Selbstlachen (Stimuluslachen), das durch permanente Wiederholung immer gleicher Affekte erzeugt wird. Weil es nur einen schwachen Reiz auslöst, muss es unaufhörlich wiederholt werden, damit ein Befriedigungseffekt erzielt wird. Die Folge: Wir haben das Gefühl, uns ständig amüsieren zu MÜSSEN. Passend zu den Algorithmen,...