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Beschreibung des Unglücks

Melancholie ist eine Form des Widerstands. Und auf dem Niveau der Kunst vollends ist ihre Funktion alles andere als bloß reaktiv oder reaktionär. Wenn sie, starren Blicks, noch einmal nachrechnet, wie es nur so hat kommen können, dann zeigt es sich, dass die Motorik der Trostlosigkeit und diejenige der Erkenntnis identische Executiven sind. Die Beschreibung des Unglücks schließt in sich die Möglichkeit zu seiner Überwindung ein.  W.G. Sebald

Ergriffen

Schönheit begreift nur, wer es nicht nötig hat, sie zu ergreifen.

In der Mangel

Ohne Mangel kein Begehren, keine Kreativität, kein Antrieb.

David Lynch von A-Z: Bacon

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David Lynch begann seine künstlerische Karriere als Maler, studierte zunächst an der Pennsylvania Academy of Fine Arts, wo er vor allem düstere Gemälde entwickelte (einige davon wurden in der Wanderausstellung „Dark Splendor“, die im Max-Ernst-Museum in Brühl gezeigt wurde, ausgestellt). Seine Einflüsse hat der Universalkünstler dabei – in Interviews ansonsten eher verschwiegen, was Ursprünge und Bedeutungsebenen seiner Werke angeht – überraschend deutlich offengelegt.   Neben den Filmen von Bergman, Kubrick, Wilder und Fellini sind als künstlerische Vorbilder Edward Hopper, René Magritte, Henri Rousseau und vor allem Francis Bacon bedeutsam, der mit seiner Darstellung von gequälten und in den erschreckendsten Positionen verrenkten Körpern mit ähnlicher Präzision wie Lynch, vielleicht aber noch eine Spur abstrakter, das Eindringen des Unheimlichen ins für uns alle alltägliche Leben zeigte. Six Men Getting Sick Von Bacon hat Lynch den ambivalenten Zugang zur Reflexion von Gewal...

Originalität

Schreiben: Ursprünge ergründen. 

Spannung kommt von Spannen

Ein Kino, das sich für seine Blickgewalt schämt, ist wie Literatur, die ihre Gedankenschärfe begrenzt, oder wie Musik, die ihr Rhythmusdiktat zersetzt.

Bloß nicht aus dem Takt geraten

Lacht doch auch einmal über euch! Vielleicht ist es irgendwann zu spät. Im Grunde ist es doch komisch, wie da zwei Weltsichten aufeinanderprallen, wie sie sich aneinander abarbeiten.  Auf der einen Seite die geburtenintensive Nachkriegsgeneration, als Boomer gleichsam für die eigene Bereitschaft, immerzu Macher zu sein, geadelt und für die eigene Hyperpotenzverblendung verspottet. Auf der anderen Seite die Digitalisierten, die ewigen Wunschkinder, gelobt für ihre Toleranzbereitschaft und auch ein wenig bewundert für ihr Desinteresse an einer echten Schlacht um die Futterplätze der Gesellschaft, aber verschmäht als hypersensible Schneeflocken, die ihr Herrschaftsterrain in einen Bereich verlagert haben, der von den Nutznießern der Sexualrevolution lange vernachlässigt wurde: Zumutbarkeiten für sich und für andere nach Belieben selbst zu bestimmen.  Natürlich lodert in dem Spektakel, das sich in endlosen Diskussionen und mittels Frotzeleien und verschmirgelter Pikiertheit im Fre...

Melancholiemodul

 „You can have my last peso, but you can't have my melancholiemodul.“ (Frei nach Martin Kippenberger)

Moral und Ästhetik

Ein Problem unserer Zeit: Ästhetik wird nach moralischen Maßstäben bewertet und Moral nach ästhetischen Kriterien. 

A Man Called E

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Viele Musikerinnen und Musiker singen über Seelenqualen und Schicksalsschläge, Mark Oliver Everett hat den Scheiß erlebt.  Er verlor innerhalb kürzester Zeit seine komplette Familie. Seinen Vater, ein Physiker, der zu seiner Zeit verlacht wurde, aber die heute anerkannte Viele-Welten-Idee miterdachte, fand er mit 19 Jahren tot im Bett. Sein alter Herr hatte schwere Depressionen. Nancy, die Mutter des Sängers, war familiär ebenfalls mit psychischen Erkrankungen vorbelastet; ihre Mutter Katherine schrieb zwischen ihren Krankenhausaufenthalten Gedichte. Nancy neigte zu hysterischen Heulanfällen und kindlichem Verhalten und überließ die Kinder sich selbst. Sie verstarb an Lungenkrebs. Everetts sechs Jahre ältere Schwester Liz war lange Zeit seine Bastion gegen all den Wahnsinn. Er liebte sie abgöttisch, wie man in der wundervollen Autobiographie „Glückstage in der Hölle“ (treffender im Original: „Things The Grandchildren Should Know“) nachlesen kann. Aber sie erbte auch den Hang zur G...

#vanitas

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Verrückt, depressiv und schlecht in Mathe

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Wer einmal Zotter probiert, isst keine andere Schokolade mehr

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Als Kind ist man der Schokoladen-Mafia ja ziemlich schutzlos ausgeliefert. Milka, Ritter-Sport, Mars, M&Ms, natürlich Ferrero (der Name Kinderschokolade gehört eigentlich verboten, so suggestiv und aggressiv ist er) – sie alle investieren Millionen für Werbung. Und wenn Mutter und Vater sich für eine Bio-Fair-Trade-Bitterschokolade-Erziehung entscheiden, dann werden die Großeltern trotzdem zu den einschlägigen Varianten greifen. Sie haben sie ja in ihrer Jugend selbst genossen. Irgendwann, wenn der Geschmack sich soweit eingerichtet hat, dass einige Marken glühend verehrt und andere kühl abgelehnt werden, begreift man, dass es bei Schokoladentafeln auch auf Konsistenz, Farbe, Geruch und Haptik ankommt. Vom Geschmack wäre da noch gar nicht zu sprechen. Es mag mal eine Zeit gegeben haben, da fanden sich nur zwanzig Sorten im Tante-Emma-Laden und man entschied sich zwischen Nuss und Vollmilch. Das ist definitiv vorbei. Schokolade ist schwarzes Gold, sie wird in rauen Menge...

Geschmackssache

Der schmale Grat zwischen hinreißend und anmaßend.  

Mensch und Welt

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„Je weniger menschlich die Welt ist, desto mehr kommt es dem Künstler zu, an die Beziehung zwischen Mensch und Welt zu glauben und die anderen zu diesem Glauben zu veranlassen.“ Roberto Rossellini 

Alles kann, nichts muss

 Kunst ist ein Möglichkeitsraum, aber kein Verwirklichungsraum.

Viel Lärmen um nichts

Das Musical ist eine parasitäre Kunstform. Es wirft sich gierig auf die großen und kleinen Stoffe der Populärkultur, um ihnen ihre Aura auszusaugen.  Mit jeder Vorführung beklatschen die Zuschauer, ohne es zu ahnen, die längst verdauten Ideen der nach diesem merkantilen Recycling-Prozess nur umso stärker verblassenden Vergangenheit.  Die genialen Momente des Musicals, die es natürlich auch gibt, sind insofern nichts anderes als kunstgewordene Flatulenzen. Und das Musical selbst ist - das macht es nun einmal zum Erfolgsgaranten - glasklare Anti-Kunst, vielleicht nicht im susansontagschen Sinne, aber doch ganz konkret und logisch, weil es Komplexität auf ein Minimum reduziert, Chiffren statt Charaktere anstellt und Klischees hagiographisiert. 

Kampf und Kunst

Leben heißt: dunkler Gewalten Spuk bekämpfen in sich. Dichten : Gerichtstag halten Über sein eigenes Ich. Henrik Ibsen

Prinzip Hoffnung

Mit dem Fortschritt kann es jeder halten, wie er will, ausgenommen der Künstler. Das Prinzip Hoffnung mag ein Weltprinzip sein oder auch keines; jedenfalls ist es ein Kunstprinzip. Indem einer Kunst macht, verrät er, dass er mit dem Weltende nicht rechnet. Er gibt sich nicht die ganze Mühe, um einen befristeten Stoff für einen befristeten Verbraucher herzurichten. Würde er mit dem Weltende rechnen, würde er die Sache lassen. Peter Hacks

Wenn die Worte nicht stimmen

„Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, dass die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.“ Konfuzius