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Es werden Posts vom Mai, 2023 angezeigt.

Schimmerndes Neonlicht

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Als ich mich einst dagegen entschied, einen Führerschein zu machen, war dies zunächst nur den Lebensumständen geschuldet. Andere Dinge waren wichtiger, wollten aufgeholt werden. Ein Auto wirkte in der jugendlichen Verneblung in der Anschaffung teuer, die Straßenverkehrsregeln kompliziert und auch sonst drängte mich nichts, in einer engen Blechkiste über Landstraßen zu jagen. Doch schon in dem Moment, da einer nach dem nächsten diese Reifeprüfung ablegte, manche sogar, bevor sie das erste Mal mit jemandem Sex hatten, ahnte ich, dass es ein Fehler war.  Das Automobil steht für Freiheit, das sagen nicht mal nur ihre grobklotzigsten Verfechter, die ohne Gewissen mit durchgedrücktem Fuß auf dem Gaspedal auf der linken Spur die Autobahn entlangdüsen. Das scheint mir etwas übertrieben. Lange Zeit war das motorisierte Gefährt schließlich auch ein Statussymbol. Wer es hatte, war mobil, beweglich, ausgestattet. Die Armen hatten jedenfalls keines, oder nur einen rostigen Gebrauchten. Man wird von

Agonie des Realen

 Der realistische Blick ist womöglich nicht der beste Weg, um die Wirklichkeit zu erfassen. 

Der väterliche Freund

Es gibt im Leben eines heranwachsenden Menschen irgendwann einen Punkt, da reichen die eigenen Erlebnisse und Geistesanstrengungen nicht mehr aus, um ein oder mehrere Probleme zu bewältigen. Eine eigentlich fürs Leben geschlossene Beziehung zerbricht. Die eigenen Eltern wenden sich pikiert oder einfach desinteressiert ab. Das Studium findet kein gescheites Ende. Der Weg zur anständig bezahlten Arbeit, von Traumjob ist gar nicht zu sprechen, erfüllt sich nicht. Die Zahl der möglichen Schwierigkeiten ist Legion. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Menschen, die einem am nächsten stehen, in solchen Problemlagen nicht immer die richtigen Ratgeber sind. Zu sehr mischen sich in ihr Urteil zum Teil unrealistische Erwartungen (Familie), Verblendungen (enge Freunde) oder  sogar Abhängigkeit (Partner). Sollten sich die Schwierigkeiten dann noch mit den Lebenslinien der Liebsten ungünstig verbinden, werden aus Anregungen schnell Drohungen. In solchen Fällen ist oftmals der vät

Über dem Nadelöhr

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Dein entsetzter Blick, als du sahst, dass dein Pullover längs deiner Schulter einfach so aufgerissen war. Schlechter Stoff, schlecht verarbeitet, dachte ich.  Doch nachdem du für einen Moment die Beherrschung verlorst (und ich vermutete, dass du das Teil nun in die Ecke pfeffern, es vielleicht sogar direkt in den Mülleimer befördern würdest), schnapptest du dir Nadel und Bindfaden und machtest dich  mit konzentriertem Blick daran zu schaffen.  Ich setzte mich neben dich und schaute dir, still und beinahe ohne zu atmen, dabei zu, wie du die hauchdünne Schnur in den Fetzen deiner Bluse zum Verschwinden brachtest. Hinein, schnell durchgezogen, festgezurrt, zurück. Noch einmal. Und noch einmal. Bis sich kaum noch sagen ließ, dass dort einmal ein Loch, ein Nichts gewesen ist.  Die Minuten vergingen und du sagtest kein Wort. Als du dein Werk vollbracht hattest und weniger mit Stolz als vielmehr mit dem Gefühl, das Notwendige getan zu haben, zurück hinein in dein Kostüm schlüp

Klang

„Das lauteste Geräusch der Welt ist die Stille.“ Thelonious Monk

Frühreif

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Passion

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Du bist ein Arschloch!  Du unterbrichst mich ständig!  Du redest zu viel!  Du hörst mir nie zu!  Du brauchst eine Therapie!  Du bist wie deine Mutter/dein Vater!  Du hast dich so sehr verändert!   Wenn du mich lieben würdest, dann würdest du…  Das habe ich dir schon tausendmal gesagt!  Warum kann nicht alles wieder wie früher sein?  Dir kann man auch nie etwas recht machen!  Kannst du auch einmal etwas für mich tun?  Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte!  Du musst endlich was gegen das verdammte Schnarchen machen!

Sternschnuppenexistenz

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Sie kommen und gehen ungefragt. Sie folgen ihren eigenen Regeln und wissen oft nicht einmal, welche das sind. Sie lächeln in einem Moment unsicher, um im anderen schallend loszulachen. Sie verstecken sich vor dem Lärm der Welt, vor dem grellen Licht, vor fauligen Gerüchen, vor unseligen Berührungen, vor dem rostigen Geschmack des ungefilterten Lebens. Ihnen ist sehr oft nicht wohl zumute. Sie zittern, ohne zu frieren. Sie fiebern, ohne zu schwitzen.  Ihr Glück ist sprunghaft, selten können sie es festhalten. Andere entzünden sie, manchmal ohne es zu wollen. Sie sind ein Geschenk, weil sie ohne Hintergedanken geben (aber auch nehmen können) – doch wehe, man flüstert ihnen ins Ohr, was sie einem bedeuten. Dann flüchten sie, wie sie ohnehin nie Rast machen können. Sie bedürfen eines Schwalls von Einflüssen, aber fürchten sich vor jeder Form der Überreizung. Vertrauen fassen sie nur sehr schwer und sie bleiben selbst dann noch skeptisch, wenn ihre Finger schon in jene der anderen fließen.

Burning Down The House

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Depression, das ist, als würde man seinem eigenen Haus dabei zusehen, wie es verbrennt. Die Flammen lodern, vom Wind geleitet. Das Gebälk biegt sich und knackt. Die Luft ist von schweren Rauchschwaden gedrückt. Kein Schritt näher, denn man könnte verbrennen. Aber auch keinen Schritt fort, denn dann ist alles verloren. Es bleibt nur ein Gedanke: Wozu noch Hilfe rufen? Es brennt doch schon lichterloh. 

What Are You Fighting For?

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What are you fighting for It ain't nothing you ain't had before It ain't nothing, you ain't felt before And still you cry Is there nothing new Is there nothing to inspire you So you found that all your dreams came true And still you cry Time is around now Can't you get back what you've lost somehow Can't you round up all those memories And tell them to breathe There is a future coming up behind And I can feel it but I don't know where it's coming from And I can hold it but I; I cannot see its face And time is out of my hand

Von einem gewissen Punkt an…

… gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen.  Franz Kafka