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Ambiguitätstoleranz

Mehrdeutigkeiten und Widersprüche ertragen und auch tolerieren können. Unsicherheit nicht als Bedrohung ansehen. Verschiedene Interpretationen und Bedeutungen akzeptieren, ohne sich auf eine festzulegen. Kurzum: Komplexität zulassen, vermeintlichen Eindeutigkeiten misstrauen.

Geschwirr

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Qual der Wahl

Freiheit                 O D E R                               Sicherheit                     

Zäpfchen

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Der Liebe ins Auge blicken

Was für ein schrecklicher Irrtum ist es, dass sich die eigene Liebesfähigkeit in der Zuneigung zu nur einer Person bewiese. Wahr ist allerdings, dass sie in aller Regel im Leben von nur einem einzelnen Menschen auf ihre Gültigkeit und Rechtschaffenheit überprüft wird. 

Maß halten

Es ist nicht das Dicksein, das schwer wiegt - es ist das Dickwerden. Die Tücke wartet aber auch beim Abnehmen: Immer muss es abwärts gehen, der (immer einzuplanende, da natürliche) Backspin wird verachtet, doch auch die sich von einer Woche zur anderen nicht in Bewegung setzende Nadel will nicht mildtätig betrachtet werden.  Warum ist das so? Stagnation wird als Feind betrachtet, der hinterrücks bereits den Fall in alte Gewohnheiten ankündigt (wie gesagt: nicht das Dicksein, sondern das Dickwerden). Dabei bringt diese weiße Null doch Zuversicht, kontrollierte Geradlinigkeit. Es wurde genauso viel Energie genutzt wie verbraucht. Der Körper sehnt sich genau nach dieser Konsequenz.  Gewiss, es ist nur ein Moment, und soll es auch bleiben, wenn das Ziel ein Weniger ist. Aber wie bitter ist es, etwas als fortschrittlos zu empfinden, das in Wahrheit nur eine sehr sichtbare Beweislage dafür ist, dass es mit Fortschreiten des Fastens nicht immer gleich entspannt weiter geht.  Die...

Draußen vor der Tür

Es wiederholt sich jeden Morgen: Mutter und Vater bringen ihren Sprössling in den Kindergarten und der Abschied naht. Manchmal hat der Tag schon mit ein paar Tränen begonnen. Oder der Pullover wollte nicht richtig sitzen. Auf dem Weg ist etwas getrödelt worden.  Das kann auch schön sein, oft ist es besonders für Mama und Papa ein säuerliches Gehetz. Und auch für die Kleinen kein Vergnügen. Wer will schon nach den Regeln eines grau angestrichenen Terminkalenders Spaß haben? Doch es ist alles vergessen, wenn Spielzeug und Spielkameraden in der Kinderstube warten. Dann eilen Ma und Pa hinaus, um ihre Pflichten zu erledigen, mal mit leichtem, mal mit schwerem Herzen.  Und nun passiert es, jeden Tag: Die zum Ernst des Lebens Verpflichteten schauen aufs Handy (was steht an, wer muss informiert werden, was ist passiert in der Welt) und das Kindchen winkt mit der Hoffnung, bald wieder abgeholt zu werden. Doch es wird nicht mehr gesehen. Es grüßt trüb ins Leere. Als wäre die Scheibe d...

Manche Wege geht man mehrfach

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Und was kannst du?

 Manch einer beginnt bereits vor Wut zu glühen, weil Brot anfängt zu schimmeln. 

Suche dich nicht zu Tode!

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Es gibt Menschen, die verlieren ständig etwas. Oder haben zumindest das Gefühl, dass es so wäre. Sie sind immerzu damit beschäftigt, etwas zu suchen. Die Brille ist verschwunden. Im Kleiderschrank lässt sich das geliebte T-Shirt nicht finden. Der Brief vom Finanzamt scheint verloren. Unabhängig davon, ob sich die vermissten Gegenstände schnell wieder auffinden lassen, kann dies zu einem ungeheuren Leidensdruck führen, der in Familien oder anderen Partnerschaftskonstellationen Wellen schlägt. Denn wer etwas als verschollen annimmt, wird mit in seiner Angst nicht allein bleiben wollen und sucht entsprechend mit grimmig-verzweifeltem Gesicht nach Hilfe.  Das ist für manche, so scheint es, eine nackte, geradezu archaische Panik. Als wäre es tatsächlich zu vergleichen mit der Steinzeitflucht vor einem Mammut, wenn der Autoschlüssel futsch ist. Das ist es natürlich nicht! Und dann kommt der drollige Faktor hinzu, dass diese Sucheritis vor allem jene befällt, die sich um Ordnung bemühen, ...

Ein Sturm wird kommen

Was ist, wenn das 21. Jahrhundert nach einem erdgeschichtlich außergewöhnlich ruhigen Vorjahrhundert ein Jahrhundert der großen Naturkatastrophen wird?

Lohn des Lehrers

In einer von Anerkennung besessenen Welt, in der viele Menschen über den Zustand eines nach ständigem Lob gierenden Narziss' augenscheinlich nicht hinauskommen, hat es ausgerechnet  der Lehrer schwer, die Früchte seiner Arbeit zu ernten.  Meist finden seine Gedankenanstöße, zweideutigen Warnungen oder gut gemeinten Ratschläge erst sehr viel später Anklang im Leben seiner Eleven.  Dann, wenn er ihnen nicht mehr auf die Schulter klopfen kann. Aber auch dann, wenn ihm als Weltenöffner nicht mehr gedankt werden kann.  Der Lohn des Lehrers bleibt die nur auf den ersten Blick karge Erkenntnis, dass es auf dieser Welt nicht allzu viele Wegweiser wie ihn gibt.

Leidiger Trost

„Wenig tröstet uns. Weil wenig uns betrübt.“ Blaise Pascal

Vorne stehen

Wer vorne steht, ist immer Chef. Nur wer in der Lage ist, vorne zu stehen, kann Chef sein. Wer erst einmal Chef geworden ist, muss vorne stehen bleiben - egal, was passiert.  Chef zu sein bedeutet: Türen stets offen zu halten; als erster Antwort zu geben; Verantwortung bedingungslos zu übernehmen; sich im Konfliktfall immer erst vor seine Mitarbeiter zu stellen; in unruhigen Zeiten für alle sichtbar die Ruhe zu bewahren; als erster zu kommen - als letzter zu gehen; Freundlichkeit nicht nur als Herzensgüte zu verstehen, sondern auch als professionelle Haltung an den Tag legen zu können; Probleme bereits zu antizipieren, bevor sie entstehen; Lösungsvorschläge nur dann zu äußern, wenn sie auf Überzeugung beruhen; bei Entscheidungen eine für alle Umstehenden klare Linie zu verfolgen; eigene Fehlurteile laut und deutlich zu benennen und daraus zu lernen; niemals eigene Fehlleistungen anderen Mitarbeitern anzulasten; Flexibilität nicht nur einzufordern, sondern selbst vorzuleben...

Mit Enttäuschungen ist zu rechnen

Es wird sowohl große Missverständnisse als auch tiefe Enttäuschungen geben – darauf muss man gefasst sein, damit muss man rechnen und ungeachtet dessen entschlossen und unbeirrt seinen Weg gehen. Anton Tschechow 

Viel Lärmen um nichts

Das Musical ist eine parasitäre Kunstform. Es wirft sich gierig auf die großen und kleinen Stoffe der Populärkultur, um ihnen ihre Aura auszusaugen.  Mit jeder Vorführung beklatschen die Zuschauer, ohne es zu ahnen, die längst verdauten Ideen der nach diesem merkantilen Recycling-Prozess nur umso stärker verblassenden Vergangenheit.  Die genialen Momente des Musicals, die es natürlich auch gibt, sind insofern nichts anderes als kunstgewordene Flatulenzen. Und das Musical selbst ist - das macht es nun einmal zum Erfolgsgaranten - glasklare Anti-Kunst, vielleicht nicht im susansontagschen Sinne, aber doch ganz konkret und logisch, weil es Komplexität auf ein Minimum reduziert, Chiffren statt Charaktere anstellt und Klischees hagiographisiert. 

Karg

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Jagdspiel

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D ie Jägerin hat ihr Opfer bereits umstellt. Mit funkelnden Augen fokussiert sie das winzige Wesen, von dem sie weiß, dass es in den nächsten Sekunden ganz ihr ausgeliefert sein wird. Sie allein könnte es verschonen. Sie könnte es aber auch von einem Moment auf den anderen einfach so zerreißen. Ganz wie sie will. Ach – und dann könnte sie es auch noch um die Gartenhecke hetzen, zupacken, das nervöse, angstumspannte Gefiepe in die Höhe treiben, bis das arme Ding völlig entkräftet einfach liegen bleibt. Die Klitzekleine weiß um ihre Feindin. Es bedarf keiner Erklärungen, keiner Hoffnungen. Sie wird mit der Angst leben müssen. Und sie hat ihre Feindin bereits im Visier. Ja, noch bevor sie erspäht wird, weiß sie, dass sie bald um ihr Leben rennen muss. Sie hat nichts als ihre Angst. Doch diese Angst kann der entscheidende Vorteil sein in einem grausamen Spiel, das für die Gehetzte nur den höchsten Einsatz kennt: die nackte Existenz. Atemlos pirscht sich ...

Warum einer Frau beim Kartoffelschälen zuschauen?

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„Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ von der großen belgischen Regisseurin Chantal Akerman ist ein Film wie kein anderer: Ein Grundlagenwerk des kinematographischen Feminismus', Prototyp minimalistischen Leinwanderzählens und nicht zuletzt ein hochprivates Dokument sensibler Künstlerinnen vor und hinter der Kamera. Auch mehr als 40 Jahre nach der Premiere ein ergreifendes Erlebnis. Es ist eigentlich recht selten geworden, dass man einen Kinofilm nicht mehr so einfach zu sehen bekommt. Ohne YouTube, Netflix und all die illegalen Alternativen, natürlich aber auch ohne DVD und Blu-ray, war es früher ungleich schwerer als heute, cineastische Entdeckungen zu machen oder gar verbotene oder gemiedene Schätze zu entdecken. Mag es verständlich sein, dass man schon einige Anstrengungen unternehmen muss, um einen Film wie „Die 120 Tage von Sodom“ auszugraben (Pasolinis Hasserklärung bekommt man immerhin des Öfteren mit pädagogisch wertvoller Einführung im Kino zu sehen,...

Doch die Liebe ist die größte unter ihnen

Schön ist alles, was man mit Liebe betrachtet.