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Es werden Posts vom Januar, 2026 angezeigt.

Umfall

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Winter in Berlin können grimmig sein. Schnee und Kälte sind gar nicht so sehr das Problem, dafür aber Glätte. Vor einiger Zeit wurde sie mir an einem Ort zum Verhängnis, als ich gar nicht damit rechnen konnte, denn es war Winter ohne Schnee, Kälte und Glätte.  Ich war mit Hast zu einem Termin unterwegs und übersah dabei, während ich noch beim schnellen Gehen etwas in meinem Beutel verstaute, dass der Boden mit einer Wasserlache überzogen war, die nicht vom vorherigen Regen stammte. Offenbar war es eine seifige Flüssigkeit, vielleicht um den Belag zu reinigen. Ich verlor den Stand. Nur ein winziger Verrat zwischen Fußsohle und Welt.  Die Beine sprangen auseinander, die Füße kippten. In einem lächerlich kurzen Moment kreisten meine Hände hektisch, griffen ins Nichts. Eine absurde Choreografie. Dann stürzte ich. Der Oberkörper zu spät, ein Sprung nach vorn und zugleich zurück. Der Aufprall zunächst weit entfernt.  Plötzlich drängten sich mir Gedanken auf – in diesem Augenbli...

Ob Sonne oder Regen...

Den Glücklichen kümmert das Wetter nicht.

I Like The Way This Is Going

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„Life is funny, but not 'ha ha' funny.“ (Mark Oliver Everett, Eels, „3 Speed“)

Kakerlaken glotzen

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Eine ganze Nation wärmt sich am Fernsehlagerfeuer, wenn RTL alljährlich „Ich bin ein Star - holt mich hier raus!“ sendet. Dass es sich um einen harmlosen Spaß ohne Folgen handelt, ist allerdings ein gefährlicher Irrtum. Warum nur berichten so viele geradezu ekstatisch vom RTL-Dschungelcamp - gibt es nicht wichtigere Themen, die dieses Land bewegen? Sicher gibt es die. Aber der Erfolg dieses eigenartigen Sendeformats ist, dass es trotz Medientamtams massiv unterschätzt wird. Eigentlich sollte man annehmen, dass es sich hier um einen weiteren Tiefpunkt in der nach unten offenen Skala des Selbstentwürdigungstheaters handelt, das die Privaten und besonders RTL seit Jahren kultivieren. Aber das wäre zu einfach. Längst wärmt sich eine ganze Nation an diesem Fernsehlagerfeuer. In der Spitze sehen bis zu 9 Millionen Menschen dem bunten Treiben im australischen Regenwald zu. Oder ist es doch nur ein gigantischer Container in Köln/Hürth? Jedenfalls bescheren die Zuschauer RTL vor a...

Schlüssellochperspektive

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Zoom, zoom

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Eisberg voraus!

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Die Eulen sind nicht das, was sie scheinen

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Gerade einmal 428 Tage liegen zwischen der Erstausstrahlung des Pilotfilms von „Twin Peaks“ und der letzten Folge der (zunächst finalen) zweiten Staffel. Dann war 1991 auch schon Schluss, nach nicht einmal 30 Episoden.   Zwischen der tot in Plastikfolie eingewickelten Laura Palmer und FBI-Agent Cooper, dem im Spiegel das absolut Böse (BOB) entgegenlacht, schrieben David Lynch und Mark Frost Fernsehgeschichte. Die Serie wurde zum popkulturellen Phänomen, das selbst Queen Elizabeth II. brennend interessierte. Aber sie war dem ausstrahlenden Sender ABC nicht geheuer. Erst pochte man auf eine schnelle Auflösung, wer die Schulschönheit ermordet hat, schließlich empfand man die Mischung aus absurdem Drama und Kirschkuchen-Kitsch als zu ausufernd, um fortgesetzt zu werden.  Doch auch wenn „Twin Peaks“ vom Schirm verschwand, die Anhänger wollten nicht loslassen. Sie hielten das fiktive Städtchen mit angeblich 51.201 Bewohnern, deren faszinierendste Vertreter man einige Stunden la...

Schwindelfrei

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Auf dem Spielplatz habe ich es festgestellt: Es geht nicht mehr mit dem Schaukeln. Jedenfalls nicht mehr wie früher.  Rückblickend fühlt es sich an, als hätte ich fast meine gesamte Kindheit durchgeschaukelt. Welche Freiheit und Ruhe darin steckten, sich auf einen Schaukelstuhl im Grünen zu schwingen, ihn hin und her zu wippen. Der sanfte Wind um die Ohren, die Beine hoch und runter, die Hände fest an den Ketten (im Winter waren sie immer zu kalt, aber das war egal). Es ist pure Physik, und doch fühlte es sich gerade so an, als würde man für einen pendelnden Moment die Schwerkraft aus den Angeln heben.  Wenn ich einst so hoch wollte, wie es der Balken zuließ, so ist heute früh Schluss. Springe ich ab, ereilt mich ungelogen auf der Stelle ein Schwindel. Der lässt sich auch nicht so leicht abschütteln, ich muss regelrecht Stand suchen, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Der wippende Spaß, er ist dahin. Das Alter wird mir zentnerschwer bewusst.  Natürlich gibt ...

Chimärenauflösung

Aufklärung: Erkenntnis durch Desillusionierung, nicht Befreiung durch Ideen.

Blinder Fleck

Gewalt und Unglück entstehen oft nicht aus Bosheit, sondern aus Gleichgültigkeit und Erschöpfung.

Glaubenssatz

Ich glaube daran, dass man Krisen nicht sofort heilen sollte, dass man Trauer nicht therapieren darf, dass Denken nicht zu Lösungen führen muss und dass Sprache nicht als Reparaturwerkzeug misszuverstehen ist.

Winterreise

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Der entblößte Mensch

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Der ungarische Regisseur Béla Tarr hat nur wenige Filme gemacht, aber mit einem radikal asketischen Stil aus schwarz-weißen, überlangen Einstellungen mit einer Kamera als mitleidlosem Zeugen das europäische Kino tiefer geprägt als viele andere, die regelmäßig mit Preisen überschüttet werden. Er zeigte nicht nur im siebeneinhalbstündigen „Satanstango“, das auf keiner Liste der besten Filme fehlt und wie andere seiner Werke auf Grundlage von Erzählungen des Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai entstand, eine Welt ohne Trost, in der wenig gesprochen wird und es sehr viel regnet.  Man kann Tarrs Filme als Zumutung empfinden – und das sind sie aufgrund ihrer formalen Strenge, noch mehr aber wegen ihrer existenzialistischen Brutalität. Aber in ihnen finden sich auch ungeheuerliche Momente der Schönheit und Gnade.  Konfrontation mit absoluter Wehrlosigkeit Eine Szene in „Die Werckmeisterschen Harmonien“ (nach dem Roman „Melancholie des Widerstands“ von Krasznahorkai) hat m...

Verhüllt

„Und was ist die Melacholie? Worauf ich nichts zu erwidern wusste, lieber zu ausweichenden Antworten Zuflucht nahm. (...) Aber es ist, als verhüllte der Begriff der Melancholie die Melancholie selbst. Die Worte machen das, worüber sie sprechen sollen, zunichte.“  Lászlo F. Földényi, „Lob der Melancholie“

Empfang

Was der eine als Empfangen erlebt, ist für den anderen ein Eindringen. Derart kann sich aber auch ein Empfangener als Eindringling verstehen. Oder soll es sogar.

Louis

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Lichtschnitt

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