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Posts mit dem Label "Poesie" werden angezeigt.

Nackt im Teich geschwommen

Hast du schon einmal geträumt,  Wie du in den Spiegel blicktest:  Spinnen krabbelten dir über den Bauch,  Und fast musstest du schreien, als du sie sahst.  Mit gesenkten Lidern wünschtest du dir herbei  In einem jener Filme zu sein,  In denen einer ohne Gesicht, einfach so, Eine Pistole aus der Manteltasche zerrt,  Um ganz ohne Gewissen und wie im Schlaf  Eine Kugel in die blaue Luft zu schlagen.  Dann bist du wieder ein Kind,  Spritzt mit Wasser und wirfst mit Schnee.  Die mahnenden Finger weit am Horizont,  Nur unbewegliche Felsen, oftmals stumm,  Können dich kaum daran hindern, zu glauben,  Für einen Moment Herr zu sein Und in der Lage, Menschen in Tiere zu wandeln,  Nur mit einem schwebenden Blick.

Wer hat Angst…?

Wer hat Angst vor HIV? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Apple? Niemand, niemand. Wer hat Angst vorm Wolf? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Google? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Atemnot? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Islamisten? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Pädophilen? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Nasenbluten? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Spinnengetier? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor Virginia Woolf? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor dem ersten Kuss? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor ejaculatio praecox? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor dem Staatsbankrott? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor den letzten Gründen? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor dem schwarzen Mann? Niemand, niemand. Wer hat Angst vor einem Schuss ins Herz? Niemand, niemand.

Sternschnuppenexistenz

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Sie kommen und gehen ungefragt. Sie folgen ihren eigenen Regeln und wissen oft nicht einmal, welche das sind. Sie lächeln in einem Moment unsicher, um im anderen schallend loszulachen. Sie verstecken sich vor dem Lärm der Welt, vor dem grellen Licht, vor fauligen Gerüchen, vor unseligen Berührungen, vor dem rostigen Geschmack des ungefilterten Lebens. Ihnen ist sehr oft nicht wohl zumute. Sie zittern, ohne zu frieren. Sie fiebern, ohne zu schwitzen.  Ihr Glück ist sprunghaft, selten können sie es festhalten. Andere entzünden sie, manchmal ohne es zu wollen. Sie sind ein Geschenk, weil sie ohne Hintergedanken geben (aber auch nehmen können) – doch wehe, man flüstert ihnen ins Ohr, was sie einem bedeuten. Dann flüchten sie, wie sie ohnehin nie Rast machen können. Sie bedürfen eines Schwalls von Einflüssen, aber fürchten sich vor jeder Form der Überreizung. Vertrauen fassen sie nur sehr schwer und sie bleiben selbst dann noch skeptisch, wenn ihre Finger schon in jene der anderen fließ...

Von Poesie und Schönheit umwölkt

Schon mit dem ersten Disney-Film lernt man im Windelalter: Das Kino lädt zum Lachen ein, rührt zu Tränen, erregt Angst und Schrecken und kennt keinen einzigen Moment der Langeweile. Wenn man nichts falsch macht im Leben, dann macht man diese Erfahrung mit jedem weiteren Film, der einen auf der großen oder kleinen Leinwand für einen Moment aus dem Alltag lockt.   Doch sowie man irgendwann versteht, dass sich hinter den Märchen doch andere Botschaften verbergen, als zunächst auf den ersten Blick deutlich ist, so kann es passieren, dass statt der üblichen Unterhaltungsware plötzlich ein Film über die Mattscheibe flimmert, der durch seine Inszenierung von Zeit, Gesten, Bewegungen und Gedanken zutiefst verstört. (Diese Erkenntnis wird ironischerweise vor allem zunächst im Fernsehen gemacht, also dort, wo solche Streifen eigentlich am schlechtesten aufgehoben sind.) Weil er anders ist. Weil er vor allem den Intellekt herausfordert. Kurz gesagt: eine ungeplante Begegnung mit Ku...

Die Apokalypse wird nicht eintreffen

Konziser, dringlicher muss es sein. Wenige Zeilen, dafür Bilder. Alle sprechen von Veränderungen, aber vor den Taten stehen immer die Worte. Wo sind die brenzligen Sätze? Weitergehen, oh Leben – heißt Zäune bauen, um den Wohlstand und die Sicherheit vergangener Tage zu retten. Wozu retten, was fault und stinkt? Die Zukunft wartet. Sie ist eigentlich die Gegenwart, die es zu besetzen gilt. Doch stattdessen: kollabieren in die Gegenwart. Ja, das ist es – in die Gegenwart hineinstürzen, ohne Netz und doppelten Boden. Wo sind die Manifeste? Und wenn es sie gibt, warum sind sie so zahm oder bestenfalls Parodien auf die großen Manifeste einer längst verblichenen Epoche? Überall brennen die Zeichen, nur keiner merkt’s. Die Zeichen sind zur Realität geworden. Die Scheiße fließt ins große Meer – und sie bringt den Tod. Trotzdem: weiter graben, weiter bohren. Schreien, weinen, vielleicht auch beten, damit alle zuhören und endlich die Augen öffnen. Apokalypse, das ist kein Zustand, sondern ein...

Er

Er ist auch schlecht rasiert. Sein Rucksack unterscheidet sich nicht von denen, über die er herrscht. Auch er muss mit dem Bus fahren – und findet keinen Sitzplatz. Er wünscht keinen guten Morgen, sondern wiederholt nur kurz den Tageszeitzustand. Er versucht sich zaghaft an einem Lächeln. Dann dreht er sich weg, um das Gleichgewicht zu bewahren, denn der Busfahrer kennt keine Rücksicht. Beinahe wäre er gestürzt.