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The Big One

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Die große, zitternde Stadt, die sich über das Land ergießende Welle und das verlassene, zerstörte Fabrikgelände. Drei Bilder, die das Zeug dazu haben, im kollektiven Gedächtnis als Schreckensikone für immer verewigt zu bleiben. Nein, wir werden diese Bilder nicht mehr los. Sie sind ja Ausdruck eines apokalyptischen Zustands, der gerade erst aufgrund der tragischen Reihung von furchtbaren Katastrophen die Menschen in tiefe Angst gestürzt hat. Das japanische Beben vom 11. März 2011 war „The Big One“, jenes Ereignis, das zwar möglich, aber unwahrscheinlich ist. Es war eine Tragödie, die von Wissenschaftlern nicht vorausgedeutet werden konnte, und die, im Zuge der atomaren Katastrophe, ratlos zurück lässt, denn selbst die umfassendsten wissenschaftlichen Untersuchungen und Prüfmethoden bleiben im Angesicht des Ernstfalls hilflos. Das ist der Stoff, aus dem Albträume sich nähren. Und denkt man an die Bilder des 11. September, dieser ebenso zur Ikone des Grauens aufgestiegenen Urkata...

The Killing Joke (5)

Die wechselseitige Abhängigkeit und die ins Wanken geratene Sicherheit über die Eindeutigkeit zwischen Gutem und Bösem, geistiger Gesundheit und Krankheit wird nur zum Teil auf der erzählerischen und figurenpsychologischen Ebene in der Batman-Trilogie von Christopher Nolan demonstriert. Der Besetzungscoup, Christian Bale als Darsteller Bruce Waynes und damit Batmans zu gewinnen, ist nicht nur deshalb konsequent, weil den Schauspieler eine beispiellose mimische Kühle bei gleichzeitiger körperlicher Dominanz auszeichnet, sondern weil er auch die Hauptrolle in der Verfilmung des vielleicht erschreckendsten Serienkiller-Romans der letzten Jahrzehnte gespielt hat: „American Psycho“. Den blutgierigen Gewalttäter Patrick Bateman verkörperte Bale mit einer ebensolchen Kühle und Eleganz wie Bruce Wayne. Und die Unterschiede zwischen dem von Schein und Geltungssucht besessenen Bateman und Batman verschwimmen nicht nur mit dem einen verschwundenen Buchstaben, sondern sie sind auch mit de...

The Killing Joke (4)

So sehr es den Anschein hat, dass es sich bei der Figurencharakterisierung in Nolans „Batman“-Trilogie um eine offensichtliche Vertiefung im Vergleich zu den Comics handelt, unterliegt der Zuschauer hier einem Fehlurteil. Die Filme arbeiten ganz bewusst mit einer – allerdings klug gewählten – Oberflächenpsychologie, die Figuren ins Zentrum der Handlung stellt, die weder eine im Verlauf der Erzählung erörterte Vergangenheit haben, noch eine Persönlichkeitsentwicklung durchmachen, die nicht bezogen ist auf die Leidens- und Heldengeschichte Batmans. Sollten nicht Details der eigenen Biographie die Motivation eines Gegners des dunklen Ritters erklären, für Zerstörung zu sorgen (wie z.B. bei Bane in „The Dark Knight Rises“), so sind sie nicht von Belang und werden ausgespart. Auch die Verbündeten Batmans (der kauzige Butler und Ersatzvater Alfred Pennyworth, der ernste Commissioner James Gordon, die aufrechte Rachel Dawes, der loyale Lucius Fox) verfügen über keine eigenen nennens...

The Killing Joke (3)

Immer fand sich zwischen dem verzweifelten Bösen in den Batman-Comics und der nüchternen Realität einer Verbrecherwelt hinter den Spiegeln, die mit Gefängnis, Todesspritze oder Waffengewalt in Schach gehalten werden kann, eine Demarkationslinie, die nicht überschritten werden durfte. So düster dieser Fledermausmann auch sein mochte, seine Identität als (Super-)Held leuchtete trotz aller Zweifel genauso hell auf wie das Emblem auf der dunkelgrauen Brust seines Kostüms. Diese Sicherheit – die den Comics identitätsstiftenden Charakter verleiht – wird in der Batman-Trilogie von Christopher Nolan mit unterschiedlicher Gewichtung in den drei Filmen aufgegeben.  Die Mitternachtsvorstellung im Kino in Aurora war ausverkauft. Viele Menschen freuten sich darauf, einige der wenigen zu sein, die den neuen Batman-Film noch vor dem offiziellen Filmstart sehen können. Sie hatten sich mal schräg und mal ernsthaft verkleidet und imitierten ihre Helden. Viele trugen Batman-Capes oder hatten sich...

The Killing Joke (2)

Der frühe Tod Heath Ledgers, der „The Dark Knight“ mit großer spielerischer Leidenschaft seinen Stempel aufdrückt, sollte nicht dazu verführen, die eigentliche Meisterschaft des Films (nur) in der differenzierten Darstellung der allseits bekannten Charaktere zu sehen. Vielmehr fasziniert die Form des Films, die sich geheimnisvoll und konsequent an der gebrochenen Identität ihrer Helden orientiert und deshalb weit über all das hinausgeht, was es bisher in diesem Genre zu sehen gab. Aber es ist höchstwahrscheinlich Ledgers schauspielerisches Vermächtnis, das den Film berüchtigt machte. Man muss Jack Nicholson vor Augen haben, wenn man an Heath Ledgers Interpretation des Jokers denkt. Man muss an die irrsinnigen Verrenkungen denken, die dem Joker in den Comics ins Gesicht fahren. Der Wahn des Jokers entlädt sich in den bunten Bildern immer erst auf den zweiten Blick, wenn ihm schon nicht mehr abgenommen wird, dass er es bitterernst meint.  Dann ist er nicht nur einer der ...

The Killing Joke (1)

Vor sieben Jahren habe ich einen Essay begonnen, den ich nicht zu Ende geschrieben habe. Am 20. Juli 2012 machte sich der damals 24-jährige James Eagan Holmes in Aurora als Clown kostümiert auf den Weg zu einem der großen Cineplexe. Dort lief gerade die erste Vorstellung von „The Dark Knight Rises“, dem letzten Teil der drei von Christopher Nolan gedrehten Filme über den dunklen Ritter. Holmes hatte eine Flinte, ein Selbstladegewehr und eine Pistole dabei. Er verschaffte sich Zutritt zum Kino, zündete eine Tränengasgranate und schoss willkürlich auf die Menschen, die sich eigentlich auf einen unterhaltsamen Abend gefreut hatten. Sie bezahlten ihn mit ihrem Leben.  Diese erschreckende Bluttat korrespondierte mit dem Höhepunkt eines neu entflammten Batman-Fiebers. Ich habe mich damals gefragt, ob die hyperreale Darstellung der Comicwelt in Nolans Filmen möglicherweise ein Spiegelbild für einen gesellschaftlichen Wandel sein könnte, der sowohl auf ästhetischer wie auf politischer Eb...

Vereint gegen die Angst

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Der schockierende Terroranschlag auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" und die ergreifende Reaktion der Europäer, solidarisch an der Seite Frankreichs zu stehen, markieren eine historische Zäsur. Vielleicht ist nun endgültig deutlich geworden, dass die Grundprinzipien demokratischer Gesellschaften bedroht sind. Die Aufgabe des Journalismus ist es nun, auch in Zeiten der eigenen Krise Flagge zu zeigen. Es dauerte nur Minuten, dann hatten die Menschen nach dem ersten Entsetzen über die Bilder des Terrors in Paris eine Antwort gefunden. Sie verbreitete sich zunächst rasant  in der virtuellen Welt, um dann auch auf Plakaten in den Händen der vielen Trauernden zu landen, die nur Stunden nach der Tat auf die Straße gingen: "Je Suis Charlie" .  Der 07. Januar 2014 wird in die Geschichte eingehen, nicht weil Frankreich sein 9/11 erlebt hat, wie es nach dem grauenhaften Anschlag auf die bis zu diesem Tag eigentlich nur Franzosen bekannte Satirezeitung...

Obszönitäten unserer Epoche

Es ist obszön: Ein 32-jähriger Mann plant neun Jahre einen terroristischen Amoklauf, schreibt über drei Jahre ein wirres Pamphlet mit einem unfassbaren Umfang von 1516 Seiten, inszeniert sich im Internet als faschistischer Märtyrer-Ritter, und schafft es in wenigen Stunden, eine ganze Nation zu verwunden, in dem er eine Autobombe im Regierungsviertel Oslos explodieren lässt, um dann seinen zerstörerischen Tötungstrieb auf einer kilometerweit entfernten Insel mit dem wahllosen Erschießen von Jugendlichen fortzusetzen. Wie will eine Gesellschaft, höchstens noch vorbereitet auf den hasserfüllten islamistischen Terrorismus, auf die Monströsität einer solchen Handlung reagieren, die ihren Zweck nur darin hat, Nachahmer zu finden? Wie will das Strafrecht auf diesen narzisstischen Wahn reagieren, wo sich doch kein Referenzwert finden lässt?

Don’t Look Now

Eric Harris, Dylan Klebold, Robert Steinhäuser, Bastian B., Cho Seung-hui. Es sind die immer gleichen Bilder, die immer öfter uns bedrängen und ins weite Feld des Unbewussten verdrängt werden müssen: Jene von jungen Menschen, die martialisch mit der Waffe prahlen, die von ihr Gebrauch machen, als wäre das Leben ein Videospiel – die töten, ohne Sinn und Verstand. Die Bilder verlieren ihre Intensität, denn sie gleichen sich auf das Deutlichste. Was aber kann es Schrecklicheres geben, als dass sich Ereignisse wie diese, die den Menschen doch aufs Tiefste erschüttern müssen ob ihrer Grausamkeit und Sinnlosigkeit, in eine Welt einbrennen, die diese Bilder in alle Haushalte dieser Welt überträgt und ihre Zuschauer damit alleine lässt? Die Schockwirkung verflüchtigt sich, das Grauen verkommt zum schweigenden Starren auf den Bildschirm. Die Erwartungen, wer sich hinter den Mordtaten verbergen könnte, verkümmern zur vorbewussten Erkenntnis: Außenseiter, einsam und abgeschottet in einer Wel...