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Es werden Posts vom März, 2018 angezeigt.

Ich, einfach unverbesserlich

Nichts ist unerotischer als Menschen, die sich ihrer eigenen erotischen Ausstrahlung zu sehr bewusst sind.

Ein Zeitvertreib wie Sex und Tanzen

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Gut so?

Erst musste alles gut sein, um etwas zu bedeuten. Als aber das Gute nicht mehr gut genug war (also langweilig wurde), begann man nach dem Neuen Ausschau zu halten.

Doch irgendwann war das Neue nicht mehr neu (es verblasste, schließlich begann es sogar zu schimmeln) und so wandte man sich dem Besonderen zu. 


Aber dann bemerkte man, dass das Besondere irgendwie nicht lange besonders blieb - und sagte sich: Scheiß drauf, es gibt zu wenig Gutes, um noch einmal von vorn anzufangen.

Kinder

„Kinder haben noch nie auf ihre Eltern gehört, sie aber stets nachgeahmt.“
James Baldwin

Zwei Arten: Nutella-Esser

Von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet, gibt es eigentlich nur zwei Arten von Menschen. Die einen delektieren sich an Nutella, als wäre es eine Wunderwaffe im Kampf gegen den grauen, geschmacksterroristischen Alltag. Diese Menschen lassen das Brot auch einmal beiseite und greifen gierig mit dem Löffel zu. Manchmal sogar, wenn Schlaflosigkeit oder die Blase quälen, nachts.

Wenn sie sich ein Brötchen mit Schokocreme gönnen, dann verputzen diese Schleckermäuler ihren Feinkostaufstrich mit geradezu neurotischer Penibilität. Kein bräunlicher Kleckser windet sich später um ihre nach der Mahlzeit stets auffällig strahlenden Lippen. 


Die anderen verzweifeln an der robusten Kakaomasse, weil sie ihnen schon vom Messer auf den Boden tropft. Nuss und Nougat wollen sie in dem Frühstücksklassiker von Ferrero nur am Rande herausschmecken. Dass Fett und Zucker glücklich machen (wenigstens für einen reuebefreiten Augenaufschlag),  wissen sie zwar aus eigener Erfahrung.

Doch so recht können di…

Stille Heiterkeit

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Invasion der Barbaren

Das intellektuelle Gebrechen der neuen akademischen Mittelklasse ist der grundsätzliche Glaube daran, dass eine Welt möglich sein könnte, in der es keine körperlichen und psychischen Schmerzen, keinen sexuellen Missbrauch, keine erzwungene Unterdrückung von Wünschen, keine Umweltverschmutzung, keine Tierquälerei, keine ökonomische Ausbeutung und auch kein Gefühl der Zurücksetzung mehr gibt.


Diese fromm-infantile Vorstellung, die vor allem von den Verheißungen des technologischen Fortschritts angetrieben wird, könnte prinzipiell Nahrung für einen neuen, derzeit noch utopischen Humanismus abgeben.
Wäre sie nicht gepaart mit einer erschreckend hedonistischen Haltung, die Kreativität und einen ästhetisierten Lebensstil zur Grundlage des eigenen Handelns macht und damit die meisten Menschen, die dem Zwang der ständigen Neuerfindung des Selbst nicht entsprechen können, in die Depression jagt.
Luxus-Mittelmäßigkeit
Während sich die so unter Dauerstress gesetzten Erwachsenen mit möglichst in…

Wüst und leer

Im Kino gewesen und „Lawrence von Arabien“ gesehen. Natürlich gestaunt. 70mm, in aufgemotzter Fassung. 227 Minuten. Mit Pause. Ein Film, den man nach zahlreichen Wiederholungen natürlich aus dem Fernsehen kennt - der aber nur auf der großen Leinwand Sinn ergibt. 
Ein Film über Zeit und Bewegung. Ein Historienschinken, der trotz seiner großen Bilder, trotz seiner Sehnsucht zu überwältigen, die psychische, ja auch die physische Entwicklung seiner Hauptfigur niemals außer acht lässt. Wie klug, mit dem banalen Motorradunfalltod eines Mannes zu beginnen, von dem in fast vier Stunden gezeigt wird, wie er versucht, die Welt mit seinen erst filigranen, dann immer kräftiger zupackenden Händen nach seinen Vorstellungen zu gestalten. 


Zwischenzeitlich fühlt sich dieser Thomas Edward Lawrence wie ein Messias, der sogar daran glaubt, übers Wasser gehen zu können. Trotzdem kann er nicht verhindern, dass einer seiner Schützlinge (die ihm folgen wie Jünger) erbärmlich im Treibsand versinkt. Eine Sze…