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Es werden Posts vom Januar, 2018 angezeigt.

Warum einer Frau beim Kartoffelschälen zuschauen?

„Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles“ von der großen belgischen Regisseurin Chantal Akerman ist ein Film wie kein anderer - und auch 42 Jahre nach der Premiere ein ergreifendes Erlebnis.

Es ist eigentlich recht selten geworden, dass man einen Kinofilm nicht mehr so einfach zu sehen bekommt. Ohne YouTube, Netflix und all die illegalen Alternativen, natürlich aber auch ohne DVD und Blu-ray, war es früher ungleich schwerer als heute, cineastische Entdeckungen zu machen oder gar verbotene oder gemiedene Schätze zu entdecken.

Mag es verständlich sein, dass man schon einige Anstrengungen unternehmen muss, um einen Film wie „Die 120 Tage von Sodom“ auszugraben (Pasolinis Hasserklärung bekommt man immerhin des Öfteren mit pädagogisch wertvoller Einführung im Kino zu sehen, man kann den Film in der Komplettfassung allerdings auch als Import-DVD, in Deutschland als geschnittene Fassung kaufen), überrascht es doch, dass auch „Jeanne Dielman, 23, Quai du Commerce, 1080 Bruxelles…

Raus

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Die Ballade vom Olivenkern

Wir sind längst daran gewöhnt, dass uns alles ein wenig einfacher gemacht wird: Fisch kommt ohne Greten daher und gerne paniert, Fleisch am besten ohne Knochen oder gleich ganz ohne Fleisch. Selbst an Obst und Gemüse wird im Labor herumgeschraubt, bis es bei Aussehen und Geschmack mehr unserer Idealvorstellung davon gleicht als der mitunter wankelmütigen, vom Wetter und anderen Wechselwirkungen abhängigen Realität.

Natürlich ist es ein längst einforderungsfähiger Genuss, dass all das, was uns täglich wie gebratene Tauben in den Mund fliegt, von den Gefahren befreit ist, die nun einmal die Natur als letzten Grund für etwas erhöhte Konzentration und Geduld ausgelegt hat. Doch eines Tages kommt der Moment, da enthält eine saftige Olive, so schlaff sie auch daherkommen mag, einen verflucht harten Kern.

Jeder Zahnarzt kann ein Lied davon singen.

Ein Käfig ging einen Vogel suchen

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Verzicht und Kontemplation

„Wenn das Herz denken könnte, würde es stillstehen. Was bleibt jemandem, der wie ich lebendig ist und doch kein Leben zu haben versteht - ebenso wie den wenigen Menschen meiner Art - anders übrig als der Verzicht als Lebensweise und die Kontemplation als Schicksal?“

Fernando Pessoa, „Das Buch der Unruhe“

Spiele gefälligst!

Keinem Künstler wird weniger getraut, sein Handwerk zu beherrschen, als dem Musiker. Das sieht man nur zu deutlich im Fernsehen. Während Maler, Fotografen, Schriftsteller und Tänzer in Talkshows freigiebig über ihr Leben und ihr Werk parlieren dürfen, ohne die eigenen Finger-, Fuß- oder Gedankenfertigkeiten ausstellen zu müssen, wird der Musiker stets aufgefordert, etwas von seiner Kunst zum Besten zu geben.

Louis

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Leid

Nichts verändert den Menschen so sehr, wie es die Konfrontation mit Leid tut.