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Es werden Posts vom Oktober, 2018 angezeigt.

Schwarzes Loch

Das Gefängnis existiert gleich zweimal. Es gibt das dunkle, metallverhangene Verließ, in dem viele zu Recht verurteilte Verbrecher und einige wenige zu Unrecht inhaftierte Pechvögel einsitzen. Und es findet sich jene Strafkolonie als Dunkelwolkenschloss in den Gedanken der Menschen, die noch nie einen solchen Bau von innen gesehen haben - und sich vielleicht wünschen, dass sie ihn niemals sehen werden. 
Für die einen ist es ein Ort ohne Ausgang, für die anderen ein Ort ohne Eingang.
Natürlich hatte Foucault recht: Es sind die Armen und Verrückten, die eingesperrt werden. Aber in den Gefängnissen können sich die Geschundenen und Geschnittenen auch vor der Gesellschaft sicher fühlen, die sie erst ausschließen wollte und nun wegen ihrer frevelhaften Taten wegschließen konnte. Wahrscheinlich fliehen mehr Menschen in den Bunker, als dass sie aus ihm heraus entkommen.
Manchmal, aber eher selten, befreit die Zeit im Gefängnis von den Sorgen des Alltags, denn hinter Gittern gibt es nur ein …

What Do I Care?

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October and the trees are stripped bare Of all they wear. What do I care?  October and kingdoms rise And kingdoms fall But you go on And on.
Alle großen Bands haben mindestens eine Handvoll melancholische Songs im Repertoire. Selbst die Rolling Stones. Nur U2 bilden da eine Ausnahme. Bis auf das gloriose, mit Brian Eno unter dem Pseudonym Passengers aufgenommene "Your Blue Room" (auf dem Album "Original Soundtracks 1") gibt es keine Schwermut im Katalog. Nur pathetische Nuancen der Trauer. Ungewöhnlich für irische Musiker. Aber da ist ja noch das haikueske, spirituelle "October", das von The Edge für die gleichnamige zweite Platte der Band einsam an einem Klavier fallen gelassen wurde. Es ist eines der schönsten Lieder von U2.

Die Unfähigkeit zu trauern

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Am 14. Oktober verschwinden von einem Moment auf den anderen 170 Millionen Menschen. Exakt zwei Prozent der Menschheit. Keiner weiß, wo sie abgeblieben sind. Niemand weiß eine Antwort darauf, warum es die einen aus der Welt geworfen hat und die anderen nicht. In einigen Städten gibt es nicht eine Person, die vermisst wird, in anderen Orten werden ganze Familien radikal dezimiert.



Irgendwann einigen sich die Verbliebenen, die keine plausible Erklärung für das Ereignis finden, von einer plötzlichen Entrückung zu sprechen. Ein Forschungsinstitut wird gegründet, das statistisch erfassen soll, was all die Verschwundenen gemeinsam hatten. Viele wissen nicht, wohin mit ihrer Trauer. Kommen ihre Lieben, ihre Freunde, ihre Nachbarn wieder zurück? Getrauert werden kann nur um Tote, nicht um Verschwundene…
Wie mit den Zweifeln umgehen?
Doch der Alltag muss für die Zurückgelassenen weitergehen. Arbeit muss getan werden, Kinder müssen erzogen werden, Einkäufe sollten erledigt werden. Irgendwann w…

Lohn des Lehrers

In einer von Anerkennung besessenen Welt, in der viele Menschen über den Zustand eines nach ständigem Lob gierenden Narziss' augenscheinlich nicht hinauskommen, hat es ausgerechnet  der Lehrer schwer, die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Meist finden seine Gedankenanstöße, zweideutigen Warnungen oder gut gemeinten Ratschläge erst sehr viel später Anklang im Leben seiner Eleven. 
Dann wenn er ihnen nicht mehr auf die Schulter klopfen kann. Aber auch dann, wenn ihm als Weltenöffner nicht mehr gedankt werden kann. Der Lohn des Lehrers bleibt die nur auf den ersten Blick karge Erkenntnis, dass es auf dieser Welt nicht allzu viele Wegweiser wie ihn gibt.