Posts

Posts mit dem Label "Walter Benjamin" werden angezeigt.

Abenteuer in der Welt der Wissenschaft

Als ich noch ein Pimpf war, sammelte ich „Projekt X“-Hefte. „Abenteuer in der Welt der Wissenschaft“ stand auf den Pappschubern, in denen sich neben einigen Sammelblättern für einen Ordner auch Poster, Bastelbögen und so manch andere Gimmicks befanden.  Alle 14 Tage erschien eine neue Ausgabe, immer mit einem anderen Thema. Darunter gab es solch weitläufigen Kategorien wie „Unsere Ozeane“, „Licht“, „Sport und Fitness“, „Wetter“ oder „Kriminalität“. Man fantasierte sich mit dem Heft aber zuweilen auch „Ins Unbekannte“.  Erschienen war die Reihe bei Marshall Cavendish in Hamburg, das in den 90er-Jahren viele großartige Sammelserien herausgab, darunter „Im Reich der Urwesen“ (das mich das erste und möglicherweise letzte Mal dem Fantasy-Genre näher brachte), „Faktor X“ (das meine durch „Akte X“ geweckte Leidenschaft fürs Unerklärliche vorzüglich bediente), sowie „Im Herzen der Klassik“ (das mir zeigte, dass es Gebiete gibt, die möglicherweise im Leben selbst bei besten Ab...

Der Engel der Geschichte

Bild

Wunschmachine

„Es ist von jeher eine der wichtigsten Aufgaben der Kunst gewesen, eine Nachfrage zu erzeugen, für deren volle Befriedigung die Stunde noch nicht gekommen ist.“ Walter Benjamin

Kleines Walter-Benjamin-Glossar (2)

Moderne ist als Allegorie der zerstörten Antike und zugleich der kommenden Katastrophe zu denken. Allegorie hält immer an den Trümmern fest. Zugleich steht die Moderne im Zeichen des Selbstmords. Selbstmord ist aber nicht Verzicht, sondern heroische Passion. Er ist Antwort auf die Niederlage des Willens  Der Lumpensammler   In Anlehnung an Baudelaire sind Lumpensammler und Poet vergleichbar: beide geht der Abfall an. Der moderne Heros arbeitet im Müll als seinem Medium Der Flaneur  Er lässt sich durch die Stadt treiben; er ist ein Spurenleser, der keine Spuren hinterlässt und widersetzt sich den administrativen Kontrollprozessen durch Müßiggang  Über der Stadt liegt immer Drohung (sie steht als surrealistisches Gebilde in der Nachfolge des barocken Bühnenbildes – als metaphysische Landschaft, in der die Menschen eine kurze, schattenähnliche Existenz führen). Deshalb verwandeln sich dem modernen Allegoriker die Bauten zu Trümmern, die Dinge zu Müll un...

Kleines Walter-Benjamin-Glossar

„Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit – und das ist immer die gleiche: der Tod“ Die Kindheit ist Ursprung der Kunst Es gibt eine Kunst des Verirrens Einsamkeit ist die einzige dem Menschen gemäße Existenzform Das Leben der Gedanken ist eine Existenz unter der Herrschaft des reinen Geistes , so wie die Prostitution eine Existenz unter der Herrschaft der puren Sexualität ist Der Melancholiker , als durch den Einfluss des Saturn langsamer und bedächtiger Mensch, ist ein Willensheld und ein Süchtiger – das Denken und Arbeiten wird ihm zum Zwang, das Leben steht ihm im Zeichen einer endgültigen Strategie Ich ist ein Text. Er muss entziffert werden. Das Ich ist ein Entwurf, etwas das geplant werden will. Der Aufbau des Ich geht immer zu langsam voran. Man ist sich gegenüber immer im Rückstand Jede Gedächtnisarbeit ist vorwärtsweisend (sich selbst rückwärts lesen) Verkleinerung als Technik : Man entzieht etwas (ein D...

Ich packe meine Bibliothek aus

Ich packe meine Bibliothek aus. Noch sind sie, jeder Ordnung enthoben, in Kisten eingemummt. Wenn ich umziehe, dann schleppe ich vor allem Bücher. Liebgewonnenes, Unverzichtbares, Oftgelesenes, Ungelesenes, Schund und vieles mehr, das ich in all den Jahren angesammelt habe. Es ist viel mehr als ich je lesen könnte, und wenn ich das Sammelsurium an gedruckten Worten in seiner unpersönlichen, fein säuberlich in Kartons verpackten Staffelei betrachte, dann kann ich mir kaum vorstellen, überhaupt so viele Erinnerungen und Bilder daraus entnommen zu haben. Angefangen hat es mit Comic-Heften. Meine Mutter brachte mir stets die Micky Maus mit, deren Inhalt ich regelrecht verschlang. Wenn ich mich so recht zurückerinnere, musste man mir schon ein Buch schenken, damit ich es in die Hand nahm. Kalle Blomquist war dann mein erster Begleiter; zuvor hatte mich aber schon Micky Maus, der nebenberuflich, wie man weiß, Detektiv ist, in das Sujet eingeführt. So bündelte ich also die Disneycomics, sa...