8. Januar 2008

Ritual
Morgens früh aufstehen, pünktlich um fünf, abends ins Bett, immer um elf, samstags was trinken, aber nicht zuviel, immer sonntags ein Ei, dienstags ins Kino (weil’s da billig ist) und mittwochs Fußball – gern auch in der Kneipe, dagegen Entspannung: Sex am frühen Morgen, immer am Samstag (da kann man lang schlafen), montags dann einmal die Woche wenigstens die Zeitung gelesen, bei BILD aber wenigstens jeden Tag auf die Schlagzeile geglotzt, Abendtelenovela ebenso wie Tagesschau (manchmal auch später, dann Caren oder auch Burow), Frühstücksradiogedudel immer mit Joghurt, niemals mit Kaffee, den gibt’s später, wenn auch in Maßen (immer nur zwei, einer dann später), Milch dazu, aber keinen Zucker, abends dann die Beine massieren, ein Glas Wasser (tut’s auch Kakao?) neben das Bett, gleichsam das Kissen geschüttelt, es darf nicht zu hart sein, muss weich sein wie das Sonntagsei oder der Händedruck des Nachbarn, donnerstags spielt man Karten, immer zu viert und dazu gibt’s Bier, täglich auf der Toilette wird die ausgelesene Zeitschrift noch mal bemüht, dann wird hinterher und obendrein die Hand gewaschen, gründlich und rein (Seife nicht vergessen), in der Kirche wird gebetet aber nicht gesungen, im Schlafzimmer wird gevögelt aber nicht geleckt, man füttert die Katze und krault sie um 9, Freitags kommen die Kinder, dann räumt man schnell auf (doch das nur alle zwei Wochen), Kreuzworträtsel versüßen den späten Mittag am Wochenende, es endet beim Diskutieren (über die Schwächen des anderen) immer im bittren Streit, manchmal aber sagt kein Ritual, es betont stets das Immer, sonntags und auch montags, mittwochs vielleicht nicht mehr.