Wer einmal Zotter probiert, isst keine andere Schokolade mehr


Als Kind ist man der Schokoladen-Mafia ja ziemlich schutzlos ausgeliefert. Milka, Ritter-Sport, Mars, M&Ms, natürlich Ferrero (der Name Kinderschokolade gehört eigentlich verboten, so suggestiv und aggressiv ist er) – sie alle investieren Millionen für Werbung. Und wenn Mutter und Vater sich für eine Bio-Fair-Trade-Bitterschokolade-Erziehung entscheiden, dann werden die Großeltern trotzdem zu den einschlägigen Varianten greifen. Sie haben sie ja in ihrer Jugend selbst genossen.

Irgendwann, wenn der Geschmack sich soweit eingerichtet hat, dass einige Marken glühend verehrt und andere kühl abgelehnt werden, begreift man, dass es bei Schokoladentafeln auch auf Konsistenz, Farbe, Geruch und Haptik ankommt. Vom Geschmack wäre da noch gar nicht zu sprechen. Es mag mal eine Zeit gegeben haben, da fanden sich nur zwanzig Sorten im Tante-Emma-Laden und man entschied sich zwischen Nuss und Vollmilch.

Das ist definitiv vorbei. Schokolade ist schwarzes Gold, sie wird in rauen Mengen verzehrt. Und manche wollen es eben etwas besser haben. Deswegen greifen sie zu Siebzigprozentiger. Oder gar zu Neunzigprozentiger. Bitter aber wahr: Nur in diesen Varianten gibt es noch Geschmackserlebnisse zu machen. Wenn die Bohne denn stimmt. Aber es geht nicht nur um die Grundlagen, um die Bezahlung der Bauern, welche die Kakaobohnen pflücken und pflegen.

Schokolade ist ein Lebensgefühl, sie kann schmelzen, trocknen, verderben. Es ist wie bei gutem Wein: die richtige Verkostungstemperatur muss eingehalten werden (man lagert sie idealerweise bei 16 bis 18 Grad, nie aber im Kühlschrank, wo die Kälte ihnen jede Eleganz austreibt). Natürlich alles egal bei Snickers und Schoko-Pingui. Aber es gibt Schokoladenköstlichkeiten, da spielt das sehr wohl eine Rolle.

Zotter bietet Schokotafeln als kleine Kunstwerke


Zum Beispiel bei den Tafeln der österreichischen Edelkakao-Manufaktur Zotter. Dabei handelt es sich tatsächlich um kleine Kunstwerke. Alle Süßigkeiten kommen in sehr kompakter Form daher, stets 75 Gramm, handgeschöpft. Man sieht es der Schokolade auch an. Verpackt in sehr dünner, goldener Folie, wird die Tafel umhüllt von einer Papierverpackung, die für jede einzelne Sorte eigenständig illustriert wurde. So ist jedes Exemplar auch ein Unikat.

Bei Zotter geht es nicht nur um 70 Prozent oder Erdbeer-Basilikum. Hier gibt es ganz andere Geschmacksmischungen. Die meisten davon sind ein Erlebnis: Ananas mit Cashewnüssen, Erdnussbutter mit Banane, blauer Krachmohn, Himbeer-Kokos, Kürbiskern mit Marzipan, Coffee-Toffee. Und das sind nur die harmlosen Wohlschmeckereien.

Wunderbar und wunderlich wird es erst mit Skyr-Rhabarber-Avocado, Brot und Rosen, Fischschokolade, Bergkäse-Walnüsse-Trauben, Salzberg-Beerenauslese und Brennholz. Letztere beiden sind köstliche Weinschokoladen, wiewohl Zotter herrlich geschmacksintensive Alkoholschokoladen im Angebot hat. Die meisten Schoko-Mischungen mit solchen angeblich edlen Tropfen sind eine einzige Enttäuschung.

Das alles hat natürlich seinen Preis. Eine Tafel kostet inzwischen 4,10 Euro. Doch im Vergleich zu handelsüblichen Qualitätsschokoladen, die oft unverschämte Preise für ihr Produkt aufrufen, nur weil sie wissen, dass ein bestimmter, von Bio-Esoterik und Beschreibungs-Wohlklang-Parfümerie umnebelter Kundenkreis gerne ein paar Groschen springen lässt (und dann nicht einmal das gute Stück mit Freu(n)den teilt!), bekommt man hier wirklich Qualität für sein Geld. Und eine Philosophie! Man kann die aufgerufene Bemühung um Vielfalt, Qualität, Kreativität, Nachhaltigkeit und 100% Bio/Fairness glauben oder nicht. Letztlich kommt es dann doch auf den Geschmack an. Flotter als bei Zotter ist er nicht zu haben.

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