31. Januar 2017

Into The Wild (2)

Und dann liest man die Werbung auf dem Buchrücken und die Rezensionen im Netz und in den Zeitungen zu „H wie Habicht“ und ahnt: Die Flucht in die Einsamkeit, der Rückzug zu einem weidwunden Selbst, wird verkauft als ein absurder joy trip in eine Welt, die man sich in unserer gut genährten Wohlstandsgesellschaft eigentlich nicht mehr erlauben kann. Da hat ein Mensch den Ausstieg geschafft. Wie bewundernswert.

Ich fand diese Buch außerordentlich gut, lehrreich und ich bin fast neidisch auf diese Erlebnisse mit diesem Vogel. Ein ganz besonderes Buch -ich empfehle es allen, die diese Sorte Vögel verehrt und auch die Menschen, die das schaffen. (Amazon-Kritik)

Keine Gedanken mehr über die scharfen Kanten der Depression, den Kampf mit der eigenen (auch sexuellen) Identität. Ja, so hat man einst auch „Walden“ falsch gelesen. Aber versteht man damit diesen introvertierten Text nicht völlig falsch? Die nahezu verzweifelte Disziplin, die nötig ist für das beschriebene „Hobby“ des Habicht-Abtragens - das Gegenteil von Domestizierung -, widerspricht jedem Lifestyle von Entschleunigung und einer falsch verstandenen Selbsteinkehr.



Die intellektuelle Auseinandersetzung mit den Autoren, die sich ebenfalls auf die Vögel stützten, als wäre es ihre letzte Lebensrettung, ist doch auch keine Wiedergabe von altklugen Ratgebern.

Man muss die Künstler anscheinend wieder vor ihren verblendeten Rezipienten schützen.