8. Februar 2012

Kleines Walter-Benjamin-Glossar

„Es gibt für die Menschen, wie sie heute sind, nur eine radikale Neuigkeit – und das ist immer die gleiche: der Tod“


Die Kindheit ist Ursprung der Kunst

Es gibt eine Kunst des Verirrens

Einsamkeit ist die einzige dem Menschen gemäße Existenzform

Das Leben der Gedanken ist eine Existenz unter der Herrschaft des reinen Geistes, so wie die Prostitution eine Existenz unter der Herrschaft der puren Sexualität ist

Der Melancholiker, als durch den Einfluss des Saturn langsamer und bedächtiger Mensch, ist ein Willensheld und ein Süchtiger – das Denken und Arbeiten wird ihm zum Zwang, das Leben steht ihm im Zeichen einer endgültigen Strategie

Ich ist ein Text. Er muss entziffert werden. Das Ich ist ein Entwurf, etwas das geplant werden will. Der Aufbau des Ich geht immer zu langsam voran. Man ist sich gegenüber immer im Rückstand

Jede Gedächtnisarbeit ist vorwärtsweisend (sich selbst rückwärts lesen)

Verkleinerung als Technik: Man entzieht etwas (ein Ding) dem Gebrauch und beschwört durch die Liebe des Kleinen ein Kindheitsgefühl herauf (ein vom Surrealismus übernommenes)

Das Buch ist die verkleinerte Welt, die der Leser bewohnt

Lesen ist der Kindheitstraum, Schreiben ist der Albtraum des Erwachsenen

Der moderne Autor ist nicht Schöpfer, sondern Zerstörer. – Er zerstört die seichte Innerlichkeit

Kritik ist die Reflexion einer Sache in der Sache selbst, des Denkens im Denken, des Kunstwerks im Medium der Kunst selbst. Sie ist eine Art wiederholte Spiegelung und als solche dem Werk immanent. Kritik ist positiv, kreativ und produktiv. Indem Kunst kritisch wird, wird die Kritik selbst zur Kunst

Wahrheit ist Ereignis. Wahrheit ist Darstellung des Seins. Wahrheit ist Repräsentation und Geschehen in einem. Sie wird zur Konstellation – ein Amalgam aus Form und Idee