3. Mai 2011

Denken heißt Angst lernen

Es geht alles so schnell, wie soll man dagegen ankommen? Schneller schreiben, lesen, denken. Kürzer und prägnanter formulieren, auf kleinem Raum in die Tiefe bohren.
Kaum möglich.
Wir können die Rasanz der Ereignisse (die Geschwindigkeit der Bilder) nicht unserem Denken (unseren Medien) anpassen. Wir müssen mit unseren Gedanken und vor allem mit unseren Gefühlen den Gegebenheiten ins Auge blicken.
Nur weil die Welt unverständlicher und labyrinthischer, unsicherer und unfassbarer wird, heißt das nicht, dass wir, so wir denn an dieser Weltgesellschaft teilhaben wollen (und akzeptieren können, dass wir wegen unserer global vernetzten und global agierenden Ökonomie zu einer globalisierten Gesellschaftsordnung ohne Ausstieg in die Vergangenheit verpflichtet sind), auch in solchen Kategorien denken müssten.
Unsere Gedanken werden von den Medien bestimmt, die uns informieren.
Unsere Gefühle werden von der Zwangsläufigkeit der Ereignisse, die uns etwas bedeuten und vor allem bedeuten müssen, geprägt.
Wir stehen mit beiden Füßen im Datenstrom eines großen Medienwandels.
Wegen dieses Medienwandels und der sich daraus ableitenden Vernetzung kultureller, gesellschaftlicher und vor allem ökonomischer Faktoren empfinden wir Ereignisse, die einmal weit weg – und damit entsetzlich unwichtig waren –, als müssten sie uns zwangsläufig etwas angehen.
Wenn uns vieles etwas angeht, von dem wir nicht einmal wissen, wie es beschaffen ist, dann verursacht das Angst.
Wer sagt, dass die Angst in sich ruht und immer gleich bleibt?
Es gibt Die Angst. Das ist die zentrale Angst vor dem Tod.
Aber es gibt auch andere Ängste, deren Identität wir nicht ermitteln können.
Kommen immer mehr Ängste hinzu?
Verändert sich das Wesen der Angst?
Müssen wir Angst haben?