19. Februar 2009

Reflexionen aus dem beschädigten Leben

Eine Philosophie des Bloggens

Am 19. Februar 2004 – vor genau 5 Jahren – habe ich diesen Blog mit den Worten begonnen:
Das habe ich noch vor Tagen von der Idee geredet, da nimmt sie schon mehr und mehr Gestalt an.

Erste Worte sind immer etwas Schreckliches; egal was sie auch immer behauptet haben, sie wirken in der Rückschau immer irgendwie vorausschauend. Nicht nur der Schreibfehler im ersten Wort dieses Blogs weist auf die endgültige Fehlerhaftigkeit des Unternehmens hin. Auch der vermessene Ton des darauf folgenden Artikels: Einen Psychologie-Test wollte ich entwerfen, um für ein Schulfach Psychologie zu werben. Irgendwie erscheint mir die Dialektik des Unterfangens (eine seltsame Ungeheuerlichkeit) heute als Ironie. Mit Trompeten angekündigt, was nicht zu halten sein kann. Hätte es mir nur jemand vorher gesagt. Aber: Ich habe immer an diese großen, wenn auch wirkungslosen Ideen geglaubt – und wie wertvoll sind die vielen Stunden Unterhaltung, um der so brüchigen Idee eine Realisierung zu verpassen.

Diese ersten Worte sind auch hilflos. Hinaustrompetet in die Welt, weil es möglich war. Blogs begannen gerade populär zu werden, wie dereinst jeder eine eigene Homepage basteln wollte. Damals, als das Internet noch behutsam vor sich hin keuchte und ein Video, wenn es denn erst einmal hochgeladen war, Minuten benötigte, bis es, unter Stocken, zu seinem verwackelten, undeutlichen Ende führte, war es ein schwieriges Unterfangen, sich im Netz auszubreiten. Man sah recht schnell, wer da etwas machte: Techniker respektive Informatiker besaßen das Know-How, um da eine funkelnd-verspielte Plattform ins Datenuniversum zu speisen. Meistens ohne große Inhalte – aber wen interessiert das schon, wenn man von seiner Homepage prahlen konnte. Dann kamen die Blogs. Simpel zu handhaben, als Idee einer Tagebuchform folgend. Zumindest muss sich eine Art Konsens gefunden haben, wie man dieses Medium im Medium nutzen kann und dies war recht schnell das persönlichkeitsbezogene Schreiben über das eigene Leben, das was mit dem eigenen Leben zu tun hatte und das, was dem eigenen Leben fehlte. Neben den sozialen Netzwerken, die erst ein paar Jahre später zu blühen begannen und dem I-Pod, das schon ein wenig früher die Erotik der unbedingten Technisierung der höchsteigenen Vorlieben postulierte und vor allem sichtbar machte, ist der Blog das dritte mächtige System im Zirkel der Technologien des Selbst in unserer Zeit. Der oder das Blog ist Zeitgeist.

Begonnen habe ich diesen wundervollen Freiraum – denn das ist ein Blog im zweifachen, zunächst technischen, dann kreativen Sinne – zu nutzen, indem ich ihn mit allem füllte, was ich irgendwie geschrieben habe. Alles kann dort auf den Datenautobahnen mitfahren. Das hat sich schnell als ein fundamentaler Fehler herausgestellt. Je akribischer der Aufwand für einen Text, desto größer die Kontrolle, ihn auch nicht ungeschützt zu präsentieren. Fehler um Fehler häufen sich. Und wie viel Schamesröte steigt mir ins Gesicht, wenn ich so manche Texte aus den letzten Jahren Revue passieren lasse. Welch tolldreiste Stilblüten – wild ins Kraut geschossen – paaren sich dort mit ungereimten Gedanken, denen man ein digitales Feigenblatt wünschte.

Dabei wäre doch nichts einfacher, als alles Ungemach zu löschen. So habe ich in den ersten Monaten gedacht. Aber irgendwann schien aus der Möglichkeit Texte zu präsentieren, eine neue Form der Darstellung zu erwachsen. Die anfängliche Unschuld der Publikation wich einer immer präziser durchdachten Reflexion über das eigene Leben; anfangs noch deutlich tagebuchartig, später immer ungenauer, unartiger und maliziöser, verspielter, sich selbst bewusster. Unscharf betitelt mit My Melancholy Symphony, begonnen die Ahnungen, die der Titel vielleicht weckte, Wirklichkeit zu werden. Es blieben stets meine ursächlichen Gedanken, es kletterte ein tatsächlicher Melancholiediskurs aus den verschrobenen Textfetzen herauf und es ist eine vielstimmige, vielgestaltige Auseinandersetzung mit mir, meinem Leben und meiner Umwelt gewachsen, die mich bis heute immer noch motiviert, weiter zu schreiben. Alle Widersprüche mit eingeschlossen (denn was ist eine melancholische Symphonie?).

Aber wer spricht?

Oder für wen schreibe ich?

Es ist ganz selbstverständlich, dass sich das Tagebuchschreiben aus der Idee des Blogs entwickelte, denn es ist ein Gedankenkreisen um den Schreiber. Es gibt ja notwendigerweise keinen Markt, kein Ziel für diese Form des Schreibens. War die Homepage noch als nettes Accessoire für Familienmitglieder zu adressieren, führt der Blogger unaufhörlich Selbstgespräche. Er schreit irgendetwas in die Welt und hofft, dass es vielleicht irgendwann gelesen wird. Aber es geht nicht um einen Text, der gelesen werden soll; eher die Textgenese steht im Zentrum dieses masturbatorischen Wunsches. Könnte ein Autor noch die Hoffnung haben, dass sein Werk vielleicht in späten Jahren oder sogar erst nach seinem Tode gelesen wird, so ist dies dem Blogger schlicht egal. Das Bloggen findet nur in der Gegenwart statt. Jeglicher Inhalt verwaist und verbleicht mit der Zeit. Es könnten die klügsten Gedanken in einen Blog geworfen werden, am Ende geht es um einen rezipierenden Lesekreis, der aufgeregt und ungeduldig auf den nächsten Text wartet. Jede Provokation, jede Liebeserklärung ist nur so lange interessant, bis sie von der nächsten abgelöst wird. So kann es dem Freizeitblogger gehen, der seinen Freunden ein Gedankenforum (oder: Gefühlsforum) bieten will und schnell den Druck verspürt, der durch die Erwartungshaltung entsteht, dass bald etwas Neues erscheinen muss. Er mag dann schnell daran verzweifeln und sich anderen Hobbys zu wenden. Er mag eine lange Zeit mitsprinten, bis es ihm zu langweilig oder zu schwierig wird. Denn die Halbwertzeit des Geschriebenen frustriert (weshalb es für die technologischen und entwicklungstechnischen Chancen des Bloggens notwendig geworden ist, dass visuelle, auch akustische Elemente den Schreibfluss ergänzen) nach einer gewissen Zeit.

Nicht anders geht es dem so genannten Profiblogger. Er hat Relevanz, sprich Leser. Zumeist handelt es sich bei ihm um einen vollwertigen Journalisten oder freien Schreiber, der durch seinen Namen und geschickte Werbung einen eigenen Leserkreis erwerben und erziehen konnte. Der große Treppenwitz der Mediengeschichte ist nun, dass ausgerechnet jene, die sich über die Bedrohung des freien, kostenlosen Schreibens aufregen müssten (und dies taten; offensichtlich, indem sie jegliche Relevanz denunzierten, subtil, indem sie es selbst nutzten, ohne dass es einen Eigenwert besaß), weil es ihre Jobs gefährden könnte, selber zum Medium greifen und so jeglichen radikalen, vielleicht sogar anarchischen Impuls unterdrückten. Obwohl eine ganze Schar von Journalisten wie von Sinnen auf die Nullundnichtigkeit der Blogosphäre eindrischt, verstopfen sie den Markt für unabhängige, nicht an den Trögen der Journalie klebende Freidenker. Blogs sind heute, wenn sie gelesen werden, Texte von Medienmachern für Medienmacher. Und wenn sich der semiprofessionelle Blogger, der ein paar Euro mit Werbung erhaschen kann, zum Medienmacher zählen kann, dann ist es inzwischen schon ein großer Kreis, der selbstgefällig über die Sinnfunktionen des Bloggens diskutiert. Freilich ohne Erfolg, denn das Bloggen verweist dadurch nur noch blind auf sich selbst und der Blogger verarmt, wenngleich seine Texte auch noch so kompliziert zu erschreiben und reich an Gedankenfülle sind. Es ist einfach schick zu bloggen.
Außerdem erscheint es besser, geschickter, medienwirksamer, weil selbstbezüglicher, für einen Politiker als von Haustür zu Haustür zu gehen. Barack Obama ist nicht deshalb für seinen modernen Medieneinsatz gerühmt worden, weil dieser besonders profiliert und inhaltlich gehaltvoll gewesen wäre, sondern weil er überhaupt gebloggt und gepodcastet hat. Wenn nun ganze Armeen von Provinzpolitikern ihren digitalen Bleistift spitzen, um der Welt ihre kruden Weltideologien inklusive das, was die Ehefrau zuhause auf den Tisch bringt, zu präsentieren, dann ist dies auch Obamas Schuld. Das Medium ist die Botschaft!

Das Hauptproblem des Bloggens ist sicherlich seine Sucht nach Relevanz und die wirksame Reflexion in den Steinzeitmedien über die Möglichkeiten des Bloggens. Was ist es für eine tolle Möglichkeit, wenn jeder über sich und seine Welt schriebe? Wie groß sind die Möglichkeiten, wenn ein weltbekannter amerikanischer Physiknobelpreisträger über seinen Blog die Welt mit Gedankenanstößen erregt? Immerzu Möglichkeiten. Der Blog ist ein Möglichkeitsraum. Der Gedanke hinter diesem Möglichkeits(t)raum aber ist folgender:
Wenn es möglich ist, sich selbst oder seine Gedanken und Gefühle, seine Bilder und Videos ohne großen Aufwand zu publizieren, dann wird dies gemacht werden, auch wenn es dafür gar keine Notwendigkeit gibt. Die Notwendigkeiten (z.B. des kontinuierlichen Weiterbloggens) entstehen erst aus dem Möglichkeitsraum. Ein sich hier herausschälender Druck der seelischen Entblößung oder des Gedankenstriptease würde nur deshalb existieren, weil das Gefühl, es doch tun zu müssen, weil es alle tun (und alle tun es, weil es möglich, das heißt unkompliziert ist), für diese Entwicklung Sorge trägt.

So ist auch mir das Bloggen zur Möglichkeit geworden, mich mit der Welt auseinanderzusetzen. Es ist eine eigene Form der Kommunikation, die im Grunde monologisch ist, aber immerzu die Form eines Dialogs annimmt, obwohl beide Voraussetzungen sich selbst wieder ausschließen. Monolog kann es nicht sein, denn es ist ja publiziert – für andere Augen. Dialogisch kann es nicht sein, denn es gibt ja eigentlich kein Publikum für meine Schriften; nur vereinzelte Leser. Da kann ich mir noch so sehr die Finger wund schreiben.
Die Frage nach der Relevanz hingegen, die ja auch eine verlangende Selbstbestätigung mitschwingen lässt, ist vielleicht eine Scheinfrage. Wenn sich unzählige Medienprofis, Medienwissenschaftler und sonst welche Mediencretins über das Internetzeitalter unterhalten, dann übersehen sie vielleicht die eigentlich entscheidende Großartigkeit, die dieses technologische Instrumentarium des Selbst gibt: Selbstreflexion, die sich im schwebenden Raum zwischen Selbst- und Zwiegespräch entfalten kann. Eine Kommunikation also, die den Leser annimmt, ihn aber, zumindest als Voraussetzung, nicht benötigt: dialogische Introspektion.

Wer bloggt, der ist nicht, sondern der wird. Er wird sich selbst dabei zusehen können, wie er etwas entwickelt, egal welches Konzept er verfolgt. Diese tatsächlich als solche zu bezeichnende Möglichkeit hatte der aufgeklärte (virtuelle) Mensch bisher noch nicht zur Hand. Die persönliche Homepage war bestenfalls ein aufrüstbares Produkt, das ansonsten immergleich blieb. Eine Entwicklung war höchstens durch ein verändertes Design zu erreichen. Die Inhalte sollten starr bleiben. Das Bloggen aber braucht den Fortschritt und damit immer neue Texte und Zeichen. Selbstgegründete Zeitschriften, Flugblätter, was auch immer – alles zu aufwendig und zu teuer. Der Guerilla-Aspekt war sicherlich das Interessante daran. Das Bloggen ist der kostenlose, vollwertige Dialog zwischen Schreiber und dem murmelnden Internet. Es zwingt zur Mobilität, auch der Zeichen. So entstehen Gedankenfragmente, Geschichten, Reflexionen, im besten Fall sogar Konzepte, die mehr sein dürften als die hohle Imitation des Tagebuchschreibens.

Den Blog als Tagebuch zu missbrauchen ist ein durch die Möglichkeiten des Mediums zur Notwendigkeit verkommenes Stilgebot, das in die falsche Richtung führt und für das Bloggen nur ein anarchisches Potenzial behauptet. Das Tagebuch darf nicht im Schattenraum zwischen Introversion und öffentlichem Interesse sterben. Es ist als Schreibform und Medium wesentlich mächtiger und wirkungsvoller als jedes andere Medium der Schreibkultur. Es zwingt zur intimen Auseinandersetzung mit dem Selbst, die nur auf das Selbst gerichtet ist und nur mit diesem Selbst diskutiert werden kann. Unser anhaltendes Interesse an den Tagebüchern großer Schriftsteller und Denker speist sich gerade aus dieser Motivation. Wir wollen, möglicherweise aus Bequemlichkeit, vorgeschobenem Erkenntnisinteresse oder ehrlicher Mimesis, verstehen, wie Introspektion funktioniert. Denn das Prinzip der Selbstbeobachtung ist nicht nur heilsam, sondern essentiell für ein gelungenes Leben. Gerade deshalb ist das tagebuchartige Bloggen ein fehlgeleitetes, aus den Zwängen des sich noch entwickelnden neuartigen Mediums Internet geboren. Einen Blog als Tagebuch zu missbrauchen (oder schlimmer, als locker zu führendes Forumsangebot für unfertige Gedanken) bedeutet, es als Möglichkeitsraum zu missdeuten. Wer Intimes öffentlich präsentiert, der reflektiert nicht, sondern betreibt nur Nabelschau ohne jeglichen Wert.

Wenn ich eines versucht habe mit diesem Blog, dann ist es eine immer präziser werdende angestrengte Reflexion, die sich aus zufälligen Texten, Zeichencollagen, Ideensammlungen und Wortfragmenten zu einer wirklich selbstbewussten Form des Nachdenkens über mich und die Welt entwickeln soll. Deshalb verstehe ich diesen Blog als Gestaltungsfreiraum, der mich wilde Geistesauswüchse zu etwas ordnen lässt, das irgendwann zu einem System wird. Es ist ein umgekehrtes Bohren in die Tiefe, das die Tiefe nicht als Anfang deutet (also die ersten Einträge als Beginn und dunklen Bau meines Schreibens), sondern in der Fortentwicklung, als Vorgang gleich einer rotierenden Bohrmaschine, die immer weiter in die Materie eindringt und das auch nur mit immer größerem Gewaltaufwand, ihr Ziel findet.

Dann erwächst aus den vielen Buchstaben so etwas wie ein Verständnis für die Person des Autors. Dann wird auch verständlich, warum in manchen zusammen gewürfelten Worten mehr steckt als eine simple Botschaft, die vielleicht ein wenig provoziert oder zum Lächeln anregt. Genau dann nämlich, wenn die Dämonen eines Lebens über den Bildschirm huschen, ist der Blog ein magisches Medium geworden, das zukunftsweisend und relevant sein kann.

Niemals gelingt es diesem Blog auch nur in die Nähe dieses hehren Ideals zu gelangen. Im Gegenteil, es bleibt meist davon entfernt. Aber mein Anliegen ist es, das Private dadurch politisch zu machen, weil es eine Auseinandersetzung mit den Umständen ist, die mich prägen. Deshalb rauschen Rezensionen über den Schirm, die sich mit Anekdoten bunt vermischen, mit kleinen Geschichten einen Dialog führen oder einfach nur Gewesenes einkleiden in eine Sprache, die nicht nur sich selbst (und das Selbst) zum Bezug hat. Gerade dann erhoffe ich mir, dass sich hinter meinen Worten ein Raum öffnet, der den Autor als sinnierenden Melancholiker erkennbar werden lässt, der sich unsicher ist über die eigene Gegenwart; der auf Großes hofft und deshalb schreibt; der Leidenschaften freigräbt (wie die der Musik, des Films, der Literatur, der unendlichen Weiten psychologischer Wahrheiten) und sie dann mutig bebildert; der seine Mitmenschen mit Metaphern erklärt und seine Freunde und die wichtigsten Menschen im Leben mit Ehrfurcht und Achtung, aber vor allem mit Liebe schriftlich manifestiert; der Ungewissheiten in der Welt beim Namen nennt, auch wenn es dafür noch keinen gibt; der seinen Schreibstil als Entwicklung der eigenen Persönlichkeit für alle sichtbar macht (und unter den eigenen Unzulänglichkeiten bitterlich leidet); der sich den Pathos dort nicht verbieten lässt, wo er in einem Kontext steht und nicht als Zufallsprodukt eines lärmenden Mitteilungsbedürfnisses entsteht. In anderen Worten: Dieser Blog ist ein Versuch. Ein Versuch, menschliche, geistige, körperliche, psychische und religiöse Entwicklung zu philosophischen Spekulationen zu verdichten. Es ist die Hoffnung auf dialogische Introspektion, die nie monadisch auf das eigene Denken zielt, sondern auf die Zeitläufte gerichtet ist.

Keine andere Form als die eines essayistischen Schreibens, vielmehr sogar essayistischen Denkens, das den fahrlässigen Bewusstseinszustand der Welt in einen Willen verwandeln will, ist aus diesen Versuchen geschlüpft. Auch diese Form wird einer anderen weichen, die vielleicht genauer, melodiöser und lesbarer ist. Das nämlich ist das Bloggen auch, wenn es ernst genommen und ehrlich betrieben wird: eine Hinführung zur Lesbarkeit.

Nur wenn etwas lesbar und damit sichtbar, sogar streitbar wird, dann kann sich aus dem Dargestellten etwas entwickeln, das man als Kulturkritik verstehen kann. Ich begreife die Entwicklung eines Blogs, wenn es als Prinzip der Fortentwicklung eines persönlichen Denkens verstanden wird, deshalb als Fortführung der Selbstkritik zur Gesellschaftskritik, die schließlich in aufgeklärte Kulturkritik mündet. Kulturkritiker sprechen im Gegenteil zu den fortschrittshörigen Lifestyleverfechtern, die hinter jeder menschlichen Regung eine Attitüde vermuten und beschwören, von Unmöglichkeiten. Warum ist es nach 9/11 unmöglich einen Actionfilm zu drehen? (Und warum ist es doch wieder möglich und weshalb sind die Bilder in diesen Filmen noch unerbittlicher, leerer, hoffnungsloser und gewalttätiger als je zuvor?) Warum ist es heute unmöglich von einer Zukunft zu träumen? Warum ist es unmöglich, mehr Gewissheit anzunehmen, als die Sprache zu formulieren bereit ist?

Wenn ein Blog diese Unmöglichkeiten mit Ausrufezeichen versehen und die Auswürfe der Möglichkeiten unserer Zeit mit Fragezeichen erkenntlich machen würde, dann gäbe dies dem Expertengeraune recht, dass der Blog als revolutionäres Medium im Medium Internet auch eine neue, nun digitale Avantgarde begründen könnte.