23. April 2007

Kommentar zum Kommentar

Die unendlich verzweigten Möglichkeiten des Internets ermöglichen globales Kommunizieren und Agieren. Es ist ferner möglich, zu jedem Thema seine Meinung loszuwerden. Ob dies gut ist oder nicht – das bleibt eine Frage, auf die man heute vielleicht noch keine Antwort geben sollte. Zumindest erwirbt das Individuum eine urdemokratische Kraft, die es hoffentlich geschickt zu nutzen weiß.

Die Wahrheit sieht aber oftmals anders aus: Spam regiert die Welt. Und wenn es nicht gedankenloser, blödsinniger Datenmüll ist, so wird doch gerne versucht, unter vermeintlicher Anonymität irgendeine Idee loszuwerden, die nur wenig Erbauliches enthält. Sprich: Bullshit. Und wenn Harry Frankfurt nicht schon publikumswirksam alles dazu gesagt hätte, so wäre sicherlich ein netter Text aus der Idee entstanden, einen kläglichen Kommentar zu bewerten. Nein, andersherum geht es besser. Aus jedem Mist kann eine zarte Blume entwachsen und Schönheit beweisen, wo sie gar nicht angenommen wird.

Gute Rhethorik (sic!), aber dieses post-romantische Gesülze ist ja schlimmer als im Werther. Leg dir mal ein etwas positiveres Denken zu, dann klappts (sic!) vielleicht auch mal mit der Kommunikation und der Liebe. Übrigens- gut über glückliche Gefühe (sic!) zu schreiben ist wesentlich schwerer.

Schrieb Anonymus um 11:22 zu dem Text Berlin III. Und ich bin ihm zu Dank verpflichtet.

Nicht nur aufgrund der interessanten Fakten und der rohen Kritik, die er bringt. Er schenkt mir eine Art Programm, auf das ich selbst noch nicht gekommen bin. Von der groben Grammatik abgesehen empfinde ich es als wahrhaftige Tatsache, dass mein Schreiben als post-romantisch angesehen werden kann. Das Erstarken einer Alltagsmelancholie, die Zutritt zu fast allen Bereichen der Populär- und Hochkultur findet (letztere bedient sich ihrer schon seit hunderten von Jahren) und damit die Notwendig- und Ursächlichkeit dieses menschlichen Zustandes beweist, entblättert sich aus einer von jeglicher Unschuld bereinigten Konsensgeneration, die lieber kuscheln will als revolutionieren. Ich bin nur Teil dieser Generation und repräsentiere diesen romantischen Weg, der schlussendlich nur noch auf sich selbst verweist (und deshalb nicht mit Idealen befüllt werden kann, die nicht mehr existieren), nur überdeutlich.
Den armen Stürmer und Dränger Goethe aber als Postromantiker zu bezeichnen ist nicht mal postmodern.

Gut, dass ich auch einmal dazu komme, meine Ideen von jeglichem Pessimismus und Nihilismus zu befreien. Wo schon kein positives Denken herrscht (und doch positive Psychologie als Antagonist wirkt!), muss eine elegische, ja beinahe poetische Skepsis regieren. Jenes Zaudern des Melancholikers. Zu oft beschworen!
Aber diesem Zaudern vorzuhalten, es hätte keine positiven Züge (wo ich doch Win Butler sprechen lassen habe – der den Ausweg sucht und ihn in Höherem findet), wäre blind.
Gerade der erhellende Blick ins Dunkle eröffnet den Weg ins freie Licht.

Erich Fromm mag der Liebesproblematik mehr Gehaltvolles hinzufügen, als ich es in wenigen Worten könnte. Ich empfehle aber die Kunst des Liebens als Einstiegsliteratur. Es hat mich inspiriert und trägt mich nach wie vor auf dem Weg zu einem liebenden Menschen. Wo ich doch auch die Erfahrung mache, dass das eifrige Briefe-, Blog und Prosaschreiben, das stilvolle Debattieren und das offenherzige Zugehen auf andere Menschen der Kommunikation so sehr dienlich sind. Da ich den Menschen zuhöre, hören sie mir auch gerne einmal zu.

Glückliche Gefühle (so denn Gefühle einen Zustand haben können) kenne ich tatsächlich nicht. Ein Gefühl des Glücks ist mir dennoch wohl bekannt. Aber ich wäre ein Narr, wenn ich es als ständigen Begleiter betrachten würde. Da ist das Glück wie ein kleines Hündchen oder eben all das, was die Seele durcheinanderrüttelt.
Schulz und Schnitzler waren – was das betrifft – Suchende und damit nach Erkenntnis strebende Menschen. Ihnen blieb die Wahrheit über das menschliche Leben wie jedem anderen verborgen, aber sie versuchten sich ihrer mit großem Enthusiasmus und subtiler Verve zu nähern. Weil sie hinter den Schmerzen der Seele erst so etwas wie den Menschen entdeckten.

Dieser Suche – die von so vielen Menschen und damit Künstlern, Intellektuellen und Philosophen angetrieben wird und von großer Erkenntnislust beseelt ist – möchte ich mich anschließen. Auch wenn dabei nicht nur Gefühle entstehen, die vor Glück betrunken sind.
Glück ist, wenn man fühlen kann.