Maß halten

Es ist nicht das Dicksein, das schwer wiegt - es ist das Dickwerden. Die Tücke wartet aber auch beim Abnehmen: Immer muss es abwärts gehen, der (immer einzuplanende, da natürliche) Backspin wird verachtet, doch auch die sich von einer Woche zur anderen nicht in Bewegung setzende Nadel will nicht mildtätig betrachtet werden. 

Warum ist das so? Stagnation wird als Feind betrachtet, der hinterrücks bereits den Fall in alte Gewohnheiten ankündigt (wie gesagt: nicht das Dicksein, sondern das Dickwerden). Dabei bringt diese weiße Null doch Zuversicht, kontrollierte Geradlinigkeit. Es wurde genauso viel Energie genutzt wie verbraucht. Der Körper sehnt sich genau nach dieser Konsequenz. 

Gewiss, es ist nur ein Moment, und soll es auch bleiben, wenn das Ziel ein Weniger ist. Aber wie bitter ist es, etwas als fortschrittlos zu empfinden, das in Wahrheit nur eine sehr sichtbare Beweislage dafür ist, dass es mit Fortschreiten des Fastens nicht immer gleich entspannt weiter geht. 

Dies verdeutlicht abgerundet nur, dass es Rückfälle gibt, dass es manchmal marginaler vorangeht, dass es generell nicht nur eine Frage des Körperlichen oder des Mentalen ist, ja nicht einmal einer idealen Verschränkung dieser beiden Elemente bedarf, wenn der Leib sich formt, sondern schlicht ein Prozess bleibt, der ohne festes Ziel um einiges treffender verlaufen würde. 

Denn wer erst einmal sein Wunschgewicht erreicht hat, welches auch immer dies sein sollte, muss sich an diesen Moment des gehaltenen Maßes erinnern, um weiter Maß halten zu können. 

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der väterliche Freund

Abenteuer in der Welt der Wissenschaft

Über die Liebe

Warum einer Frau beim Kartoffelschälen zuschauen?

Zuviel des Guten