3. Mai 2017

Kunst ist für die Armen da!

Kunst ist nicht für jene, die alles haben. Warum sollte sie auch? Für die Armen ist sie da. Für die also, die nichts haben. Ihnen spendet sie nicht nur eine Handvoll Trost – wie jenen, die alles bereits haben. Ihnen gibt die Kunst stattdessen Hoffnung und Arbeit.

Arm, das sind nicht nur jene ohne Hab und Gut. Arm sind vor allem auch jene, denen es an geistiger und seelischer Kraft fehlt. Arm sind die Ausgestoßenen und Außenseiter, die sich auf die Wärme spendende Gemeinschaft nicht mehr verlassen können. Arm sind die Alleinstehenden, die – manchmal zur Liebe kaum fähig – alle Energie aus dem schöpfen, was ihr Herz beflügelt.



Kunst befreit die Armen aber nicht von ihrem Armsein. So können nur jene denken, für die Kunst nicht mehr als Ablenkung vom starr gewordenen Dasein ist. Kunst schenkt den Armen, den Traurigen und Kranken, einen Sinn. In der Kunst erfüllt sich ihr Dasein, ohne dass es sie nötigt, es aus Scham ablegen zu müssen. Sie mögen auf den ersten Blick arm bleiben, aber sie gewinnen mit Hilfe der Kunst eine Würde, die man ihnen sonst verwehrt.

Es gibt Arme, die zu Künstlern werden.

(Mit wenigen Ausnahmen sind alle großen Künstler arme Gestalten. Sie wählen den Beruf des Künstlers nicht. Sie werden von der Kunst aufgelesen. Ohne die Kunst gäbe es diese Menschen nicht.)

Und es gibt Arme, die sich mit Leib und Seele in die Künste hineinstürzen. Sie leben nicht mit der Kunst. Sie schmücken sich nicht mit der Kunst. Sie leben erst durch die Kunst. Sie verdanken der Kunst alles in ihrem Leben.

Weil die Kunst für die Armen da ist, will sie aufwecken. Jede Kunst, die zum Einschlafen aufruft, ist keine Kunst. Sie wird nur als solche verkauft. Kunst muss Geld einbringen, denn sie wird hart erarbeitet. Sie zu genießen bedarf aber keiner Bezahlung.

Auch deshalb ist Kunst für die Armen da: Jeder kann sich ihr ohne Gegenleistung widmen.