30. Januar 2017

Into The Wild

Ich lese zur Zeit „H wie Habicht“ von Helen Macdonald. Ein wunderschönes Buch, in dem die Autorin mit bewundernswertem Feinsinn erzählt, wie sie einst einen Habicht zu zähmen versuchte.

Die Erfüllung dieses Lebenstraums, der viel Disziplin und noch mehr Hingabe verlangte, war auch eine Reaktion auf den Tod ihres geliebten Vaters, einem Fotografen, der ihr als großes Lebensgeschenk jene absolute Beobachtungsgabe vererbte, die einerseits die Detailschärfe ihres Berichts prägt, andererseits aber auch von den beeindruckenden Jagd- und Überlebensfähigkeiten des stolzen Wildtiers gespiegelt wird.

Gedanken über Einsamkeit 


„H wie Habicht“ schildert mit einfachen Worten und großer Konzentration, wie Macdonalds Abrichtung des Greifvogels auch zum ganz und gar persönlichen Zweikampf wird. Die Schriftstellerin reflektiert dazu über jene, die ebenfalls bereits über die schwierige Zähmung eines Habichts geschrieben haben (zum Beispiel T.H. White, der neben seinem berühmten Artusroman „Der König auf Camelot“ mit „The Goshawk“ auch einen schmalen Band über seine Erfahrungen mit dem widerspenstigen, aber stolzen Wildtier verfasst hat).

Dabei wird deutlich, dass diese Weltflucht natürlich vor allem aus psychologischen Gründen gewählt wird.

Macdonald beschreibt die bedrückende Einsamkeit, die sie überfiel, während sie den Habicht abrichtete - eine ganz konkrete Erfahrung mit Wildheit und Selbstentrückung, die sie in dieser Form noch nicht kannte - aber zu der sie sich bereits ein leben lang hingezogen fühlte.