16. Oktober 2016

Vom Leben eines Esels (7)

Notizen zu Au Hasard Balthazar von Robert Bresson

Diese ungeheure Kühle, mit der sie miteinander sprechen. Die Unbarmherzigkeit, mit der sie miteinander umgehen. Marie liebt Gerard. Gerard begehrt Marie, und jagt sie wie ein Wolf seine Beute. Sie weint – um den Verlust ihrer Unschuld (und vor Schmerzen über den sadistischen Akt?) und gibt sich ihm hin. Jacques liebt seine Marie seit Kindertagen. Auf einer Parkbank hat er als Knabe ihre Namen mit Kreide verewigt. Doch als er ihr, erwachsen geworden, seine Liebe gesteht, antwortet sie düster: „Du begreifst die Realität nicht.“

Auch kaum ein Lachen, eigentlich gar keins, in diesem Film. Vielleicht lacht ja der Esel Balthazar in sich hinein, wer weiß das schon. Emotionen werden provoziert, in dem sie zunächst bekämpft werden. Nicht Menschen, sondern Marionetten sehen wir, deren leere Blicke wir verstehen und deuten lernen müssen. Der Zuschauer gestaltet die Figuren, in dem er für sie und deshalb mit ihnen fühlt.