15. März 2011

Richter und Geiger

Wenn schon die Bilder entsetzlich strahlen und die Angst all jene ergreift, die nur atemlos ferne Zeugen einer Katastrophe sind, für die es bisher keine Worte gibt, wie muss es dann erst denen gehen, die alles verloren haben und sich nun dennoch vom Tod verfolgt sehen? Erst zittert die Erde, dann rollt die schwarze Flut über das Land hinweg, reißt alles mit sich, was sich ihr in den Weg stellt.

The Big One 

8,4 – 8,8 oder 9,0? Nur Zahlenspiele als Ausdruck für die Gewalt, mit der sich die Erdkugel verändert. Ich denke mir: Vielleicht es ist es das große Ding. Ein Ereignis, das alles verändert. Da hatte noch niemand von Störfällen in Kernkraftwerken gesprochen. Auf jeden Fall war es The Big One. Das Ereignis, auf das alle gewartet haben. Das Ereignis, von dem sie alle gehofft hatten, dass es nie eintreten werde. Es ist eingetreten. Mächtiger als es sich irgendein Mensch ausmalen konnte.
Es bleibt keine Zeit, die Toten zu zählen. Ganze Städte wurden ausgelöscht. Tausende werden vermisst. Die Erde will nicht mehr stillstehen. Wenigstens die Wellen bleiben zurück. Apokalypse, ja.

Doch dann kam Fukushima

Tschernobyl ist plötzlich entsetzlich nah. Der Wind weht eine Angst zurück, die meinen Eltern noch in den Knochen steckt – mir aber nur vom Hörensagen ein Begriff sein konnte. Nun ist sie da, vernichtend präsent. Nicht die Angst, betroffen zu sein. Stattdessen die Angst vor dem schleichenden Gift, für das es kein Gegenmittel gibt. Wie viele Meiler gibt es auf dem Globus? Wie viele sind geplant? Was passiert in Fukushima? Ausgerechnet Japan, das von der atomaren Katastrophe traumatisiert ist.

Die Geschichte kennt keine Gnade – nur dunkle Zuspitzung

Hiobsbotschaften – minutengenau. Kennt einer die Wahrheit? Weiß einer, was kommt?
Jeden Morgen wache ich auf und hoffe, dass es eine gute Nachricht geben wird. Aber jeden Morgen ist es eine noch schlechtere. Explodierende Reaktoren – davon hatte die Welt unruhig geträumt. Auch wenn es nur Wasserstoff ist. Längst regieren die knarzenden Zähler. Noch sind die Strahlenopfer Phantome eines Zustandes, von dem jeder hofft, dass er nur schreckliche Vision bleibt.
Lasst uns für Japan beten!