27. Januar 2011

Das Gesetz der Begierde

Das Sexuelle ist Schicksal. Es bestimmt die Sehnsüchte. Es koordiniert Freud und Leid der eigenen Lust. Es meint nicht Erotik. Das wäre nur das Verlangen nach dem Verlangen nach Sex. Es ist auch nicht zu verwechseln mit dem Akt selbst. Der Akt ist nur die Aufführung des Sexuellen, die, meist misslungen, Lust spendet, vielleicht sogar Befriedigung, in den seltensten Fällen aber Befriedung des Sexuellen ist.

Das Sexuelle ist eine Wunschmaschine. Erst einmal in Betrieb genommen, lässt es sich nicht mehr abschütteln. Deshalb ist es auch gefährlich. Schon in früher Kindheit organisiert es sich, wird gefüttert von unzähligen Reizen. Nichts wird vergessen, alles bleibt abgespeichert. Viele Farben mischen sich über die Jahre zu einem einzigartigen grellen Farbton zusammen, der weitaus prägender ist als der eigene Name.

Das Sexuelle ist das Vorspiel. Es ist der Kinofilm, der das große Spiel am Laufen hält: ein buntes Mosaik, das die Leidenschaft entzünden lässt. Aber es bleibt ein Rätsel, warum es sich entzündet und im Gehirn manchmal sogar einen Flächenbrand auslöst. Das Gehirn, so sagt man nicht zu unrecht, ist das größte Sexualorgan. Doch weil das Sexuelle ein labyrinthischer Bau mit vielen Ein- und Ausgängen ist, ist es unmöglich, zum Zentrum des Verlangens zu gelangen.