21. September 2007

Via regia (?)


Ich hatte einen Traum:

Schwerer Regen fällt. Ich fühle mich von jedem Tropfen getroffen, bin durchnässt und laufe ohne Ziel in den Straßen umher. Immer schneller, vorwärts, ich muss ankommen. Mir fällt ein, welches Ziel meine Suche hat. Ich muss in Klausur gehen. Klausur schreiben. Ich weiß, ich komme zu spät. Angst in meiner Brust. Laufen. Der Regen will nicht weichen.

Ich trage einen Pullover, keine Jacke. An mir laufen viele Menschen vorbei, sie scheinen mich nicht zu beachten. Ich bin in einem großen Gebäude, wandele dort umher, die Rolltreppe hinauf und suche verzweifelt den Ausgang. An einer Scheibe stehend, das Wetter betrachtend, verweile ich. Nur um dann noch schneller zu laufen, das Kaufhaus zu verlassen, die Rolltreppe hinab. Gitter versperren nach ein paar Metern meinen Weg. Ich finde aber einen Umweg. Durch einen breiten Seitenausgang verlasse ich das Stadiongelände.

Ich bin in der Innenstadt. Ich muss den Bus nehmen. An mir rauscht bedächtig, lärmend, eine Straßenbahn vorbei. Sie ist scheinbar leer. Ich nehme eine Abzweigung; eine schmale Seitengasse. Nun bin ich auf dem weitläufigen, vertrauten Campusgelände. Es regnet nicht mehr so stark, aber dennoch konstant. Eine Weggabelung, dann ein paar Meter durch einen Seitengang mit Gebäuden, die zu den Naturwissenschaften gehören. Chemie. Physik. Mathematik. Dahinter die Straße mit der Busspur. An mir fährt ein Linien-Bus vorbei. Langsam, aber zu schnell für mich. Instinktiv meine ich, den Bus nehmen zu müssen. Ich glaube, ihn nicht mehr kriegen zu können, gehe ohne Tempo. Kaum Menschen zu sehen.

An der Bushaltestelle steht ein Bus, ein kleiner Reisebus. Ich steige ein, frage, ob es der richtige ist. Der Busfahrer bejaht. Vorne im Bus setze ich mich neben ein Mädchen. Ich kenne es nicht. Der Busfahrer unterhält sich mit dem Mädchen über meinen Kopf hinweg. Seine Frau ist tot, erfahre ich. Ich frage ungläubig das Mädchen, ob ich richtig verstanden hätte. Sie nickt mit dem Kopf. Dann blicke ich auf mein Blatt Papier. Es ist vollgeschrieben. Ich benötige dringend neues, aber weiß nicht, woher ich es bekommen soll. Neben mir sitzt das Mädchen und schreibt unaufhörlich. Ich will sie fragen, doch kann nicht sprechen.

Mein Pult befindet sich auf einer großen Straße, die aber nicht befahren wird. Ganz alleine schreibe ich dort. Nur wenige Meter entfernt ist ein kroatisches Restaurant. Dort sitzt ein Mann, der Lehrer, und seine Schüler. Sie essen gemütlich, trinken Bier, scherzen laut. Es regnet nicht mehr, die Straße glänzt aber nass. Ich fühle, dass ich schreiben muss, schneller. Aber mir fällt nichts mehr ein. Der Lehrer kommt langsam auf mich zu, sagt leise: Du musst jetzt abgeben. Dann geht er weiter, mit seinen Schülern, und läuft den Gehweg an der Straße entlang. Er blickt nicht mehr zurück.