Manchmal, aber nur selten, öffnet sich im Kino eines bestimmten Landes ein Spalt für Außergewöhnliches. Dann entwickelt sich mitunter, von mutigen Experimenten angetrieben, eine ganz eigene, neue Filmsprache. So strahlten der deutsche Expressionismus oder der italienische Neorealismus weit über die Grenzen der heimischen Lichtspielhäuser hinweg. Denkt man an solche Neuen Wellen, fällt der Blick immer noch auf Frankreich in den späten 50er- und frühen 60er-Jahren – auf Godard, Truffaut und Rivette. Mit der französischen Nouvelle Vague wuchs das Verständnis dafür, dass eine kleine Elite von Filmemachern in der Lage sein konnte, den Blick auf das, was Filmkunst ist, für immer zu verändern. Zu jenen zahlreichen Bewegungen, die in den Sechzigern das Kino aufrüttelten, gehört aber auch die Tschechoslowakische Neue Welle. Sie ist ein wundersames, aber viel zu wenig beachtetes Beispiel dafür, was Künstler in einer repressiven Gesellschaft anstellen können, wenn für einen kurzen Zeitraum d...