2. März 2011

Guttbye

Nun ist er weg. Zurückgetreten. Zwei Wochen hat die Causa Guttenberg Deutschland bewegt. Aus dem Ursprungsverdacht, dass der beliebteste Politiker in diesem Land in seiner Dissertation mit dem Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag: Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ einige Sätze aus Zeitungsartikeln abgeschrieben hat, ohne dies kenntlich gemacht zu haben, wuchs in wenigen Tagen die Gewissheit, einen vorsätzlich agierenden Plagiator – einen Hochstapler wie Felix Krull – entlarvt zu haben.
Es ist alles über den vermeintlichen Popstar Karl-Theodor zu Guttenberg gesagt und geschrieben worden. In den meisten Fällen drehten sich die Kommentare aber um die gleichen Koordinaten: Guttenberg, der arrogante Baron von Gottes Gnaden; Guttenberg, der von drögen Politikfunktionären beneidete Sonderling; Guttenberg, der hochmütige Kanzlerkandidat der Zukunft; Guttenberg, der Politik-Soapstar; Guttenberg, der im Grunde apolitische Retter der Politik. Und so weiter. Aber fassen diese Beobachtungen, die allesamt der Person einen extraterrestrischen Status verleihen, wirklich das zum mythischen Drama verklärte Schauspiel der letzten Tage?
Ging es in der Plagiatsaffäre nur um einige lächerliche Fußnoten oder um den großen Wertekanon, mit dem ein so erfolgreicher konservativer Politiker auch hausieren gegangen ist? Geht es um Autorität und Führungsanspruch? Sprich: Taugt der Fall des Franken zur Dolchstoßlegende oder unterminiert der Umgang mit dem wankenden Verteidigungsminister auch den Machtspielraum der Kanzlerin Angela Merkel? Wendet sich das Volk nun noch weiter von der blassen Politik ab? Kehrt der reuige Sünder nach einigen Jahren, vielleicht sogar Monaten glorios zurück – wie einst Franz Josef Strauß nach der Spiegel-Affäre? Hat der Baron vielleicht seinen großen Kredit in den Kreisen verspielt, in denen er mit Vorliebe verkehrt? Oder kehrt zu Guttenberg, enttäuscht von den Eifersüchteleien von Politik und Medien, gar nicht mehr zurück, um es in der freien Wirtschaft zu probieren?
Nein, das können nicht die einzigen Fragen sein, die dieser Affäre folgen. Wie das immer so ist, provozieren die großen dramatischen Helden und Gescheiterten die entscheidenden Fragen einer Zeit!
  1. Wie halten wir es mit der Politik?
  2. Wie steht es um die Wissenschaft?
  3. Welche Bedeutung hat das Bürgertum? Welche Werte vertritt es und welche Ziele verfolgt es?
  4. Wer ist der Mensch hinter dem überambitionierten Doktor Karl-Theodor zu Guttenberg?