21. März 2007

Nachtmusik, eine kleine

Die Lichter gelöscht, die Gedanken bedeckt, den Körper in wohlige Wärme gehüllt, entfliehe ich der Welt in Träumen und sanften oder auch aufgeregten Schlaf. Doch es gibt etwas, das meinem Tage – so spannend und langweilig er auch gewesen sein mag – eine sich dehnende Note von Ausklang schenken kann und das ist die mäandernde Kraft der Nachtmusik.

Ich schließe meine Augen, verabschiede mich vom Tag und habe dabei meine Ohren mit zwei kleinen Stöpseln versehen, die, mit einem Kabel verbunden, zu dieser magischen Box führen, aus der sogleich, ohne großartigen Aufwand, ein Universum über meine Hörmuschel in die Seele getragen wird. Bilder verschlingen sich in meiner rigiden Gedankenwelt mit dem pochenden Rhythmus meines im Klang der Musik badenden Herzens. Das Schlagzeug klopft, die Gitarre zerrt, dunkel und tief formt sich der Bass. Wabernde Gesangkaskaden schlagen sich mutig durch das Gestrüpp meines Gefühlsdschungels.

Da kann das Moll leise und geduckt verweilen oder das Dur mit trompetender Eleganz über meine Nerven hinwegschweben. Es kann eine lyrisch besungene Emotion meine traumverstopften Gedanken für einen Moment zum Stillstand bringen. Dort mag ein simples Klimpern meine Seele zärtlich streicheln. Oftmals wünsche ich mir dann, dass das Tonmenü noch eine kleine Überraschung aufbieten könnte, wenn der Schluss und damit der Weg in die Nacht schon nahe liegt, doch ich werde zumeist umsonst warten.

Die Nachtmusik meines Lebens hat mich schon so oft vor kühnen Tränen bewahrt oder sie doch erst mit brodelnder Energie provoziert. Am helllichten Tage und damit unter Menschen klingen die Töne so anders, oft sehr breit, auch einmal geschwollen, selten gebrochen. Nachts, beobachtet von den Augen der Seele, begutachtet von den Engeln des Traums, erdichtet sich in meinen Ohren eine Intimität, die mich verloren zurück lässt in geheimen Räumen des Glücks und der Seligkeit. Kategorien, erfundene Systeme, geordnete Bahnen verlieren hier ihre Bedeutung und verschwimmen in der Flüssigkeit herzenseigener Kräfte. So erst gewinnt ein Stück, ein Lied, eine Symphonie seine Melodie der Ewigkeit, will verharren und bedarf keiner weiteren Erklärung mehr.

Die nachtmusikalische Beschallung wiegt mich laut und doch leise in den willkommenen Schlaf.