18. April 2006

Back to the roots

Die Sonne scheint – die Wolken, vereinzelt das Licht bedeckend, zieren sich, Wärme setzt sich über kühlen Wind hinweg. Alles wie bisher; der Frühling kriecht bedächtig in den Graben, der von einem kahlen Winter hinterlassen worden ist. Und das Studieren geht weiter und damit ein Erkennungs- und Erkenntnisprozess, der so schnell nicht zu einem Ziel führen wird, das allgemeine Befriedigung und Identität hinterlässt. Ich bin in gewohntem Terrain und sehe gewohnte, lieb gewonnene Menschen, die sich, so ich sie denn kenne, verhalten und gebärden, wie ich sie am ersten Tag kennengelernt habe. Ein gutes Zeichen. Ein warmes, angenehmes Gefühl, weil die Angst vor dem nicht Bekannten so sinkt und letztlich versiegt. Doch es bleibt ein Konflikt, der sich so schnell nicht verdrängen lassen wird: Intimität ist ein Prozess, der Zeit benötigt. Wo erkenne ich, was Zweckgemeinschaft ist und was echter Zusammenhalt? Angst alleine zu sein oder Kraft der Liebe? Ein stetiges Zaudern, aber auch nur ein winselndes Flüstern im dunkelsten Bereich des limbischen Apparates. Glücklich sein sollte ich, alles ist so, wie ich es will. Ich habe keine Angst, nein, keine Angst. Es ist das Mutigste auf der Welt, wenn man mit Fug und Recht sagen kann, aus innerster Hegemonie heraus veräußert, dass man keine Angst hätte. Solche Menschen sind seltener als Tränen des vollkommenen Glückes – ich würde so gerne ihre Bekanntschaft machen! Aber dann kann ich wiederum sagen, dass ich nur meine Träume umsetzen muss, etwas tun muss für meine Wünsche, die bisher von mir nicht ernst genug angegangen worden sind. Und es gab so viel, das mich inspiriert hat in Berlin, meiner Geburtskrippe, meiner natalen Heimat. Jetzt legt sich jene herbstliche Melancholie über das Strahlen der Frühlingssonne, die schon kräftig und mächtig ist. Melancholie ist mehr als nur eine Attitüde – Erkenntnis. Freunde, wahre, sind unendlich wichtig für das zerbrechliche Ich – keine Erkenntnis, reine Wahrheit. Liebe ist ein unglaublich komplizierter Prozess innerlicher Differenzen – ein Weg, der Weg, aus dem Chaos des Lebens. Und dort ist noch die Passion für das Artifizielle, welche das heilige Leben als Element zu transzendieren weiß, die mich immer weiter, rau dazu, am Leben hält. Und nun, bei den so schwachen Wurzeln, die jeden Tag ein wenig kräftiger werden (die Sonne scheint!), angekommen, sich in der Geburtskammer des Arbeitskampfes befindend, erhalte ich mir den Wunsch und das Glück, endlich das in die Hand zu nehmen, das mir zu dem verhelfen soll, was ich wirklich will. Dies zu beschreiben bin ich verbal nicht in der Lage, ich kann es nur fühlen und mit süßester Schwermut und größtem Respekt goutieren.