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Prolog

In Honig getaucht

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Mein lieber Sohn,  ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich einst in der gleichen Situation war wie du jetzt. Diese freudige und zugleich spannungsreiche Erwartung. Das Bangen, ob alles genau so abläuft, wie es zuvor besprochen und erhofft wurde. Es kommt eh alles anders, als man denkt. Das ist jetzt aber nicht wirklich ein Ratschlag, sondern eine fürchterliche Binsenweisheit, höre ich dich sagen. Natürlich! Aber genau das bedeutet es ja, Mutter und Vater zu werden: sich auf etwas einzulassen, das nicht planbar ist. Du kamst auf den letzten Drücker auf die Welt, mein Sohn. Als hättest du gar keine Lust gehabt, aus deinem wonnig-warmen Nest zu schlüpfen. Warum auch? Im eisigkalten Winter fällt es doch viel schwerer, zum ersten Mal die Augen zu öffnen und nach Luft zu schnappen. Du hast es dann doch gewagt, auch wenn du deiner Mutter und mir erst einmal viel Angst eingejagt hast. Darauf musst du dich nun auch einstellen: Die Furcht wird zu deiner alltägli...

Der entblößte Mensch

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Der ungarische Regisseur Béla Tarr hat nur wenige Filme gemacht, aber mit einem radikal asketischen Stil aus schwarz-weißen, langen, abstrakten Einstellungen mit einer Kamera als mitleidlosem Zeugen das europäische Kino tiefer geprägt als viele andere, die regelmäßig mit Preisen überschüttet werden. Er zeigte nicht nur im siebeneinhalbstündigen „Satanstango“, das auf keiner Liste der besten Filme fehlt und wie andere seiner Werke auf Grundlage von Erzählungen des Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai entstand, eine Welt ohne Trost, in der wenig gesprochen wird und es sehr viel regnet.  Man kann Tarrs Filme als Zumutung empfinden – und das sind sie aufgrund ihrer formalen Strenge, noch mehr aber wegen ihrer existenzialistischen Brutalität. Aber in ihnen finden sich auch ungeheuerliche Momente der Schönheit und Gnade.  Konfrontation mit absoluter Wehrlosigkeit Eine Szene in „Die Werckmeisterschen Harmonien“ (nach dem Roman „Melancholie des Widerstands“ von Krasznahorka...

Verhüllt

„Und was ist die Melacholie? Worauf ich nichts zu erwidern wusste, lieber zu ausweichenden Antworten Zuflucht nahm. (...) Aber es ist, als verhüllte der Begriff der Melancholie die Melancholie selbst. Die Worte machen das, worüber sie sprechen sollen, zunichte.“  Lászlo F. Földényi, „Lob der Melancholie“

Empfang

Was der eine als Empfangen erlebt, ist für den anderen ein Eindringen. Derart kann sich aber auch ein Empfangener als Eindringling verstehen. Oder soll es sogar.

Louis

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Lichtschnitt

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Liebe ohne Leid

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Das Kino hat uns die Künstliche Intelligenz schon sehr früh auf den Hals gehetzt. In Stanley Kubricks Sci-Fi-Opus „2001 – Odyssee im Weltraum“ ist es schon zur Jahrtausendwende soweit. Die Raumschiff-KI HAL9000 entpuppt sich hier bekanntlich als Tötungsmaschine, weil sie mit gewissen ambivalenten menschlichen Eigenschaften überfordert ist. In „Terminator 2“ endeten gar schon am 29. August 1997 drei Milliarden Leben, weil die Menschheit einer Superintelligenz lästig geworden ist.  Alles ganz schön pessimistisch. Dieses Urteil verfestigt sich, wenn man nun noch einmal „Her“ von Spike Jonze anschaut. 2013 wirkte die tragikomische RomCom mit Joaquin Phoenix, der sich Hals über Kopf in eine Künstliche Intelligenz namens Samantha (mit der Stimme von Scarlett Johansson) verliebt, wie eine schrullige Prophetie. Nun ist es ein geradezu unheimlicher, weil erschütternd gegenwartsgesättigter Film.  An dem Thema Künstliche Intelligenz kommt man auch in diesem Jahr schwer vorbei. Allein, ...

Fest

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