6. Februar 2008

Das Unbehagen in mir

Es begann mit diesem kleinen, so unverständlichen aber drängenden Stechen in der Brust.
Etwas ist anders. Etwas ist nicht richtig mit mir.
Fernab jeglicher Vernunft ist dort ein schwarzer, blinder Fleck, der mir zeigt, dass etwas passieren wird, was ich heute noch nicht ahnen oder gar verstehen könnte. Vor mir liegen schwere Zeiten, so mag ich es beschreiben und würde damit doch die Möglichkeit aufgeben, die Kraft und Ungenauigkeit hinter diesem Gefühl – ich möchte es Unbehagen nennen – zu verstehen. Das nervöse Stechen in der Brust wandelt sich nämlich. Jeden Tag. Vielleicht säumen Kopfschmerzen meinen Alltag oder ein brennender Schmerz in meinem Mund keimt aus dem Nichts. Möglich ist, dass ein winziges Problem, sonst kaum der Rede wert, durch dieses schleichende Vibrieren zu einem Kraftakt wird; es zu verstehen, unwahrscheinlich, es zu bewältigen: unmöglich.

Ich wünsche mir die Anatomie dieses Unbehagens erkunden zu können, in es eintauchen zu können, um darin die Unwegsamkeiten der Zukunft analysieren zu können. Aber es bleibt nur die schleppende Ankündigung, die Voraussage auf etwas, das mich treffen, erklimmen, durcheinander wirbeln und vor allem verändern wird. Es ist kaum eine Befürchtung, noch ist es eine pessimistische Sicht auf das Unbekannte. In mir brodelt die irrationale Kraft des Nochnichtgesagten – eine klaffende Wunde, die zu schließen mir nicht gestattet ist.
Jeden Tag wache ich deshalb mit einem Gefühl der Zerbrechlichkeit auf, das mich ängstigt. Jede Sekunde wäre ein Zusammenbruch aller Gewissheiten möglich, aber das ist es nicht, worauf mich dieses Unbehagen stoßen will. Viel mehr droht es leise und sanft die Veränderung an, die nicht mehr umkehrbar erscheint. Kein Exodus, sondern Entwicklung.

Wenn es mir gelingt, diesem Ausdruck der Undeutlichkeit entgegenzuwirken, dann sind dies Momente der Unvollkommenheit, denn sie erscheinen als Zerstreuung oder diffuse Flucht. Ich muss das Unbehagen umarmen, akzeptieren und mit ihm leben, bis es sich zur Katastrophe hangelt und dort sich glühend öffnet.
Nein, Angst will ich keine haben, nur die Kraft mit dieser so eigenartigen Voraussicht zu leben, die mir nicht als natürlich erscheint.

Vielleicht flüstert das Unbehagen zu mir mit schwacher Stimme: Bereite dich vor, sei gefasst und achtsam. Vielleicht spricht dieses Unbehagen mit der Stimme eines tiefmenschlichen Geistes – man mag es Gewissen nennen – um mich auf den richtigen Weg zu führen.

Wie irrig wäre dann die Angst, die sich aus meiner Seele so tief in meinen Körper bohrt?