22. Juli 2006

Das Begehren des weiblichen Körpers in Sommermonaten

Man kann es folgendermaßen ausdrücken: Ich komme gar nicht mehr aus dem verdammten Sabbern heraus und ich fühle mich so, als würde ich eine stetige, andauernde Erektion mit mir herumtragen. Anders gesagt: Die spontane Nacktheit hinter der spärlichen Verhüllung ist dermaßen überproportioniert, dass es beinahe ein subversiver, wenn auch gewalttätiger, Akt der Verhüllung wäre, wenn Frau von nun an im Eva-Kostüm durch die Welt ginge.
Der Reiz der Verführung ist zur Metapher von allgegenwärtiger Lustbereitschaft verkommen. Erotik bleibt nur Begriff (war das immer so?), Sexualität wird zum übermythologischen Konstrukt, das durch die Medien beliebig mit Inhalten gefüllt wird. Sex ist nur noch Zitat eines Gebildes, dessen Größe nicht mehr abzuschätzen ist. Daher Langeweile, daher Frustration. Ein Ausweg? Natürlich. Die menschliche Sexualität hat sich über die Jahrtausende entwickelt, sie hat Fesseln zerschlagen und Ketten angelegt bekommen. Die sexuelle Befreiung der 68er Generation führte nur zu neuen Hürden in der Selbstbestimmung des sexuellen Ichs. Aber der Schmerz hinter der Lust, der unüberwindbare, von Gott und der Natur ins Genmaterial des Menschen integriert (und in der menschlichen Psyche manifestiert), ist semantisch bereits in der Leidenschaft definiert. Leidenschaft ist, was Leiden schafft. So führt der Anblick des ewig Schönen, Anziehenden geradewegs zum Kern menschlicher Existenz – Courbets Ursprung der Welt sei Symbol hierfür, die Pornographie der Gegenwart ist ihre Verkehrung; die Metaphorik hinter der gelebten und veräußerten schwülen Erotik der überreizten Andeutung (hinter dem sich, wenn schon nicht das Nichts, doch nur Bilder der Bilder des Echten verbergen) ist derweil eine schwer zu ertragende. Ihre Künstlichkeit könnte man doch verdammen, wenn man nicht wüsste, dass sich dahinter das heilige Begehren versteckte. Die ewige Verlockung des Weibes. Kann daran etwas Schlechtes sein?